Zwiespalt von Kopf und Herz, Schelling und Hegel


Der Theismus beruht auf dem Zwiespalt von Kopf und Herz; der Pantheismus ist die Aufhebung dieses Zwiespaltes im Zwiespalt - denn er macht das göttliche Wesen nur als transzendentes immanent -; der Anthropotheismus ohne Zwiespalt. Der Anthropotheismus ist das zu Verstand gebrachte Herz; er spricht im Kopf nur auf Verstandesweise aus, was das Herz in seiner Weise sagt. Die Religion ist nur Affekt, Gefühl, Herz, Liebe, d.h. die Negation, Auflösung Gottes im Menschen. Die neue Philosophie ist daher, als die Negation der Theologie, welche die Wahrheit des religiösen Affektes leugnet, die Position der Religion. Der Anthropotheismus ist die selbstbewußte Religion - die Religion, die sich selbst versteht. Die Theologie dagegen negiert die Religion unter dem Scheine, als wenn sie sie ponierte.

Schelling und Hegel sind Gegensätze. Hegel repräsentiert das männliche Prinzip der Selbstständigkeit, der Selbsttätigkeit, kurz, das idealische Prinzip; Schelling das weibliche Prinzip der Rezeptivität, der Empfänglichkeit; - erst rezipierte er Fichte, dann Plato und Spinoza, endlich J. Böhme - kurz, das materialistische Prinzip. Hegel fehlt es an Anschauung, Schelling an Denk-, an Bestimmungskraft. Schelling ist Denker nur im Allgemeinen; aber wie es zur Sache kommt, im Besonderen, Bestimmten, verfällt er in den Somnambulismus der Imagination. Der Rationalismus bei Schelling ist nur Schein, der Irrationalismus Wahrheit. Hegel bringt es nur zu einer abstrakten, dem irrationalen Prinzip, Schelling nur zu einer dem rationellen Prinzip widersprechenden, mystischen imaginären Existenz und Realität. Hegel ergänzt den Mangel am Realismus durch derbsinnliche, Schelling durch schöne Worte. Hegel drückt das Ungemeine gemein, Schelling das Gemeine ungemein aus. Hegel macht die Dinge zu bloßen Gedanken, Schelling bloße Gedanken - z.B. die Aseität in Gott - zu Dingen. Hegel täuscht die denkenden Köpfe, Schelling die nicht denkenden. Hegel macht die Unvernunft zur Vernunft, Schelling umgekehrt die Vernunft zur Unvernunft. Schelling ist die Realphilosophie im Traume, Hegel schon im Begriffe. Schelling negiert das abstrakte Denken in der Phantasie, Hegel im abstrakten Denken. Hegel ist als die Selbstnegation des negativen Denkens, als die Vollendung der alten Philosophie der negative Anfang der neuen; Schelling ist die alte Philosophie mit der Einbildung, der Illusion, die neue Realphilosophie zu sein.

 


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