Weil wir grade


von »Kultua« sprechen, wie der Deutsche seine Wasserklosés gern zu nennen beliebt –: da ist mir auf Reisen durch meine Heimat etwas aufgefallen, vielleicht ist es gar nicht richtig ... Was die Welschen sind, so haben die also in jedem noch so kleinen Hotel, in Paris und in der Provinz, in allen Zimmern ein Bidet. In den deutschen Hotels ... ich bin nun also ganz allein gereist, aber ich habe es nirgends gefunden. Da gibt es Badezimmer und Warmwasserleitung, und alles ist schön und gut – aber fast nirgends gibt es Bidets. Sollten die Hotelbesitzer diese Erfindung noch so ansehen, wie Multatuli uns das berichtet hat: als einen »Geigenkasten auf Beinen«? Es ist mitnichten einer. Und da schreiben sie nun so viel von der neuen Zeit und von der Körperpflege und davon, dass Berlin eine Weltstadt ist und Köln auch und Leipzig auch und Bitterfeld auch, ja doch, ihr kommt alle dran – und von dem Rhythmus der Epoche und vom rasenden Tempo: aber Bidets haben sie nicht. Wie wäre es, die Herrschaften zerrissen sich eine Kleinigkeit weniger die Mäuler, um darzutun, wie schmutzig, wie verkommen und wie unsauber die französischen Eisenbahnwagen seien, die es in Wahrheit darin mit jedem deutschen D-Zug aufnehmen, und bauten statt dessen in die Hotels einige Geigenkästen ein? Oder stellten einige in die Zimmer? – Welscher Tand? Hm.

Ich weiß schon, dass es auch andere Sorgen gibt, zum Beispiel die, dass sich die Arbeiter in Tausenden von Betrieben nicht ordentlich säubern können, was immerhin wichtiger ist. Aber weil wir doch grade von der deutschen Kultua gesprochen haben, da meinte ich nur ...

Es gibt aber auch ganz Schlaue.

Zum Beispiel jenen Hotelier aus Gotha, der – in seinem Hotel Mahr – dieses angeschlagen hat:

»Betrifft: Fließendes Wasser!

In den Zimmern meines Hotels befindet sich keine fließende Wasser-Vorrichtung!

Dies könnte als Nachteil ausgelegt werden, erweist sich aber als Vorteil aus hygienischen Gründen. Ganz abgesehen von meinen Erfahrungen als alter Hotel-Fachmann, schon die ständige Kontrolle, ob das Personal trotz strengen Verbots die Nachtgeschirre in die Becken des Waschtisches leert, ist undurchführbar. Ich appelliere an die Erfahrungen des Gastes selbst! Die Tatsache, dass fließendes Wasser eben alles herunterspült, läßt das Waschbecken zu allen Verrichtungen mißbrauchen. Man erspare mir die Einzelheiten.

Das Ideal eines Hotelzimmers!, ein sauberes bequemes Bett, reines Geschirr und Wäsche, im Winter gut funktionierende Zentralheizung ist in jedem einzelnen meiner Zimmer vorhanden.

Aus oben erwähnten Gründen habe ich Warmwasserleitung nur auf dem Korridor jeder Etage einbauen lassen, wo es leicht von jedem Zimmer zu erreichen ist.

Außerdem besorgt das Zimmermädchen sofort warmes Wasser.«

Drei Reisende, die es ja wissen müssen, haben heruntergemalt: Bravo! Sehr richtig! Hurra!

Man erspare mir die Einzelheiten.

 

 

Peter Panter

Die Weltbühne, 03.12.1929, Nr. 49, S. 853.





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