Joseph Bernhart, ›Der Vatikan als Thron der Welt‹


Wem nähern wir uns denn nun ... Ja, da ist etwas. ›Der Vatikan als Thron der Welt‹ von Joseph Bernhart (erschienen bei Paul List in Leipzig). Aus diesem Verlag wird man nicht recht klug, dumm auch nicht, klug auch nicht. Neulich bekam ich einen seiner Verlagsalmanache in die Hand; da gehts kunterdibunter, das Ding hat viele Gesichter, aber kein Gesicht. Wenn man das auf eine Formel bringen sollte, so wäre es etwa: Vornehme Bürgerlichkeit mit weitherzigem Verständnis für sämtliche Lager der Branche. Was übrigens in diesem Fall durchaus keine Konjunkturriecherei ist sondern tiefste Unsicherheit. Ich sehe im Verlagskontor zwei maßvoll gekränkte Gesichter. Thomas Mann hat zum Tode des Verlagsbegründers, des Herrn Paul List, einige sehr schöne und freundliche Zeilen geschrieben ... Wir wollen uns da nicht streiten. Also: der Vatikan als Thron der Welt.

Ein sehr schönes Buch. Ein ausgezeichnetes und gelb eingebundenes Werk. Zum Lesen ist es eigentlich nicht. Denn man muß den Stoff schon sehr genau beherrschen, um diese mit Seminar-Bildung vollgepfropften Paraphrasen zu verstehen. Es sind nur Variationen, das Thema wird nicht recht hörbar, und wer nicht schon gelernt hat, lernt hier nichts. Die Stellen über Luther sind von einer heitern Komik; wir, die wir diesem Vereinsgezänk fernstehen, bekommen einen Vorgeschmack, wie das wohl im sechzehnten Jahrhundert gewesen sein mag. Immerhin gibt der katholische Propagandist, der dies verfaßt hat, den ›Hexenhammer‹ preis, was ja eine ganz achtbare Leistung für ihn ist. Wie er dann freilich den Mut aufbringt, die Kirche im Weltkrieg einen »Überstaat« zu nennen, der im »Getümmel der Staaten die Begriffe der ewigen Güter wahrt«, das muß er schon mit seinem lieben Gott abmachen. Wenn man ›Güter‹ richtig auffaßt, stimmts übrigens. Ich bin kein Pfaffenfresser, aber wenn man so sieht, was heute in Verlagen, die auf sich halten, als ›katholisch‹ marschiert, dann sind die Männer, die in den siebziger Jahren die Kirche bekämpft haben, denn doch andre Kerle.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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