Geschichte über Masochismus


Die schönste Geschichte über Masochismus, die ich weiß: Wir lagen in einem polnischen Nest, gleich hinter der damaligen deutschen Grenze, hinter Marggrabowa. In unserm Armierungsbataillon waren Schlesier und Berliner anmutig gemischt. Und eines sternenklaren Abends stand ich hinter einer Hausecke, da schlugen die trauten Laute der Heimat an mein Ohr. A richtich! Ich lauschte.

Es waren zwei waschechte Berliner, die sich da um die Ecke unterhielten. Der eine mußte von Beruf wohl so eine Art Zuhälter gewesen sein; jedenfalls rühmte er sich dessen und erzählte viel von einer gewissen Ella, bei der er die Spinde abjewackelt hätte. Dieses Mädchen nun hatte auch eine masochistisch veranlagte Kundschaft, die sie gut und richtig bediente. Und ich hörte:

»Ick komm also ruff bei Ellan, un die hatte sonen Meckerjreis, den mußte sie imma vahaun. Jutet Jeld – jedet Mal achssich Mark. An den Ahmt wah a ooch da. Wie ick die Korridortür uffschließe, heer ick schon von weitn: Wißte mal die Pantoffeln uffhebn! Jleich hebst du die Pantoffeln uff, du Sau! Du Hund! Heb mal die Pantoffeln uff!« – »Wat haste denn da jemacht?« fragte der andre.

»Na«, sagte der erste, »ick bin rinjejangn un hab zu den altn Herrn jesacht:

Warum tun Sie denn die Dame nich den Jefalln un hehm die Pantoffeln uff –?«

 

 

Peter Panter

Die Weltbühne, 29.03.1932, Nr. 13, S. 488.





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