Egon Erwin Kisch, »Prager Pitaval«


Wenden wir uns zum Schluß freundlicheren Dingen zu.

Wenn einer den Schnupfen hat und nicht ausgehn kann oder die Grippe und nicht ausgehn will oder er ist Mutter und kann nicht ausgehn, dann lese er den »Prager Pitaval« von Egon Erwin Kisch (erschienen im Verlag Erich Reiß in Berlin). Das ist ein herrlicher Schmöker! Aus alten Scharteken, aus dem »Pitaval«, aus eignen Erlebnissen tut Kisch hier das, was er am besten kann: er erzählt. »Verzähl uns was!« sagen die Kinder, wenn sie sich langweilen. Es ist zu schön. Pracht- und Mittelstück die klassische Darstellung des Falles Redl. Sehr gut, dass er das aufgenommen hat – der Band ist einst bei der seligen »Schmiede« erschienen, deren Inhaber übrigens Schule machen, denn es gibt allerhand Verleger, deren Abrechnungen zu wünschen übriglassen. Was tut der Schutzverband? Er ist uneins miteinander, und so vergeht allen Beteiligten auf das schönste die Zeit. Nein, wir sind keine gefährlichen Arbeitnehmer.

Auf dem Nachttisch liegt noch vielerlei. Aber der Inhaber hat sich in die Kissen zurückgezogen und tut was –? Er schmökert. Er liest E. E. Kisch.

 

 

Peter Panter

Die Weltbühne, 08.12.1931, Nr. 49, S. 857.



Quelle: www.textlog.de

 © textlog.de 2004-
Seite zuletzt aktualisiert:  
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright