Memento


Uns Junge hat es umgerissen –

wir stehen draußen so im Feld,

wir glaubten schon, zu halten und zu wissen –

und da versank die ganze Welt.

 

»Die Welt ist falsch!« Sie ist doch kein Exempel,

wozu der Lehrer seine Lösung hat –

sie ist real und warf uns alle Tempel

und, was wir lieb gehabt, um – wie ein Kartenblatt.

 

Ihr mahnt den Jüngling, tapfer durchzuhalten.

Gewiß, das scheint ja seine Pflicht –

doch was da in ihm war vom guten, alten,

das gibts in Zukunft alles nicht?

 

Der neue Wert, die neue Stufenleiter,

der oben und der unten – seltsam Spiel:

Hier gilt die Faust, der Säbel und der Reiter –

das was wir ehren, gilt nicht viel.

 

Muß das so sein? So darfs nicht bis zur Neige,

nicht bis zum Ende gehn. Wir bleiben rein.

Wir halten durch – es scheint mir gar nicht feige:

Soldat und doch ein Bürger sein!

 

Sprecht euerm Jungen von der Kriegertugend,

doch davon auch, wenn hart der Panzer klirrt:

Daß er den Träumen seiner Jugend

soll Achtung tragen, wenn er Mann sein wird!

 

 

Theobald Tiger

Die Schaubühne, 03.10.1916, Nr. 40, S. 324,

wieder in: Fromme Gesänge.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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