Mackensen


Unser herrlicher Herrscher hatte mich für den 13. Juli ins Hauptquartier befohlen. Es war ein kalter, wolkiger Tag, ohne Sonne und ohne Regen; ein grauer Himmel blickte durch die Fenster des zweiten Stockes, in dem die Beratungen stattfanden.

Da der Monarch bei meiner Meldung grade saß, konnte ich mich ihm nicht in gewohnter Weise nahen. Bülow, als einziger Zivilist, fiel uns allen durch seine Unehrbietigkeit auf – er küßte dem Kaiser nicht ein einziges Mal die Hand. Es steht schlimm um Deutschland. Tirpitz meldete gehorsamst, dass die Meldung, Radowitz habe Nostiz gemeldet, er werde Falkenhayn nicht melden, dass Bülow ihm eine Meldung gemeldet habe, unzutreffend sei. Der Kaiser bemerkte in seiner überlegenen Art: »Das habe Ich Mir gleich gedacht!« Der Kaiser trug die kleine Uniform und ich die Verantwortung. Alle waren ratlos.

Nur ich behielt den vollen Überblick und gab mir im Innern das Versprechen, zu Hause nachsehen zu lassen, wo dieses Panama, von dem immerzu die Rede war, eigentlich liegt. Draußen im Park rauschten die mächtigen ... (mit Rücksicht auf die Familie und die Staatssicherheit gestrichen. Der Herausgeber.)

Im Vorzimmer interviewte mich ein Vertreter der ›Neuen Freien Presse‹, ein Herr Goldmann, der direkt aus dem noch im österreichischen Besitz befindlichen Wien hierher gefahren war, um mich zu sehen, und der nun seinen Regenschirm verloren hatte. Bülow versprach ihm einen neuen, und ich antwortete auf die Frage, wie ich zum Kriege stehe: »Wo haben Sie ihn denn stehen lassen?« Goldmann war tief erschüttert und ging ohne Regenschirm, aber siegesgewiß vondannen.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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