Junge Autoren


Was sie nur wollen –!

Da schimpfen sie auf die Ollen,

und die sind stieke

und überlassen die ganze Musike den Jungen.

Und die machen ein Geschrei!

Und es sind alle dabei:

 

Da sieht man ältere Knaben,

die schon ihre fünfzig auf dem Buckel haben,

in kurzen Hosen umeinanderlaufen;

wenn sie schnell gehen, kriegen sie das Schnaufen –

aber bloß nicht hinten bleiben!

Modern! modern müssen Sie schreiben!

Nur nicht sein Leben zu Ende leben –

jung! jung mußt du dich geben!

Bei uns haben sie sonen Bart, der von alleine steht –

oder sie kommen gar nicht raus aus der Pubertät.

 

Was sie nur haben –!

Hindert denn einer die jungen Knaben?

Hört doch bloß mal: Die junge Generation!

Na, da macht doch schon!

Es hält euch ja keiner. Als ob uns das nicht frommt,

wenn ein neues Talent geloffen kommt.

Neunzehn Jahre! Was ist denn das schon?

Das ist keine Qualifikation.

Ludendorff war auch mal neunzehn Jahr.

Jung sein ist gar nichts. Es fragt sich, wers war.

Es gibt alte Esel und junge Talente –

Geburtsscheine sind keine Argumente.

Und wenns nicht klappt: es liegt nicht am Paß.

Dann liegts an euch. Könnt ihr was –?

 

Noch nie hat man sich so um Jugend gerissen.

Direktoren, Verleger warten servil ...

jeder lauert auf einen fetten Bissen –

Speelt man god. Und schreit nicht so viel.

Wer was kann, der sei willkommen.

Der Rest hat die Jugend zum Vorwand genommen;

das sind – wir wollen uns da nicht streiten –

verhinderte Talentlosigkeiten.

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 02.07.1929, Nr. 27, S. 17.





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