Falkenhayn


Es war ein strahlender Sommertag, als ich endlich am 13. Juli ins Hauptquartier Seiner Majestät fuhr. Die Beratung fand in den Parterre-Räumen statt.

Der Kaiser sah ausgezeichnet aus, gesund und frisch, wie wir ihn lange nicht gesehn hatten. Anwesend waren:

Ludendorff, Tirpitz, Mackensen und Bülow, der direkt aus Rom gekommen war.

Seine Majestät hatte uns zusammenberufen, um unsre Meinung über eine Annektierung von Panama zu hören. Ludendorff stimmte selbstverständlich zu, betonte aber, dass man Mexiko dazunehmen müsse, da dies die Stimmung in der Heimat heben würde. Tirpitz riet beinah ab, was auf den Kaiser, wie wir alle bemerken konnten, höchst peinlich wirkte. Bülow in seiner schmeichlerischen Art verbeugte sich leicht, brachte ein französisches Zitat vor und fand den Einfall ›prachtvoll‹. Mackensen küßte als Antwort dem Herrscher stumm die Hand.

Nur ich behielt den Überblick und versprach dem Kaiser, einen genauen Plan zur Besetzung Panamas, das wegen des Suez-Kanals für uns militärisch wichtig war, auszuarbeiten. Auf mich wirkte das Ganze bereits damals wie eine drohende Ankündigung von Deutschlands Zusammenbruch. Infolgedessen schlug ich eine neue Offensive bei Verdun vor, für die ich die volle Verantwortung übernahm. Auch die andern Herrn hatten ihre Sachen in der Garderobe abgegeben.

Als wir aus dem Portal traten, regnete es; es war wie eine trübe Vorbedeutung.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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