Chanson für eine Frankfurterin


Für Ida Wüst

 

Wenn die alte Herrn noch e mal Triebe ansetze –

des find ich goldisch!

Wenn se dann nix wie Dummheite schwätze –

des find ich goldisch!

Des hab ich von meim alte Herrn:

ich hab halt die Alt-Metalle so gern ...

Wenn ich en Bub geworde war, hätt ich auch Metallercher verzollt –

Ja, Jaköbche ...

Rede is Nickel, Schweige is Silber, und du bist mei Gold –!

 

Wenn se newe mir auf dem Diwan sitze –

des find ich goldisch!

wenn se sich ganz wie im Ernst erhitze –

des find ich goldisch!

E Angriffssignal is noch kein Siesch –

ich sag bloß: Manöver is doch kein Kriesch!

Wer will, hat schon fuffzig Prozent. No, un wer zweimal gewollt ...

En Floh is kei Roß,

un e Baiss is kei Hauss ...

un Rede is Nickel, Schweige is Silber, un du bist mei Gold –!

 

Wenn se sich de Hut schief auf de Seite klemme –

des find ich goldisch!

Wenn se die Ärmcher wie Siescher in die Seite stemme –

des find ich goldisch!

Am liebste nemm ich se dann auf den Schoß.

Aber mer hat sein Stolz. Es is kurios:

sei Mutter is net aus Frankfort. Er aach net. Und da hab ich net gewollt ...

Jetzt waan net, Klaaner –

Berlin ist Nickel, Wiesbaden ist Silber, awwer Frankfort is Gold –!

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 08.01.1929, Nr. 2, S. 64.





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