Aus!


Einmal müssen zwei auseinandergehn;

einmal will einer den andern nicht mehr verstehn – –

einmal gabelt sich jeder Weg – und jeder geht allein –

wer ist daran schuld?

 

Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit.

Solche Straßen schneiden sich in der Unendlichkeit.

Jedes trägt den andern mit sich herum –

etwas bleibt immer zurück.

 

Einmal hat es euch zusammengespült,

ihr habt euch erhitzt, seid zusammengeschmolzen, und dann erkühlt –

Ihr wart euer Kind. Jede Hälfte sinkt nun herab –:

ein neuer Mensch.

 

Jeder geht seinem kleinen Schicksal zu.

Leben ist Wandlung. Jedes Ich sucht ein Du.

Jeder sucht seine Zukunft. Und geht nun mit stockendem Fuß,

vorwärtsgerissen vom Willen, ohne Erklärung und ohne Gruß

in ein fernes Land.

 

 

Theobald Tiger

Uhu, 01.02.1930, Nr. 5, S. 24.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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