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Theosophie


Immer mehr nun bewegt sich das Denken Schellings in theosophisch-mystischen Bahnen. In der Schrift »Philosophie und Religion« (1804) lehrt er einen »Abfall« der Dinge vom Absoluten, welcher ewig und außerweltlich ist; in der Ichheit kommt es zur Rückkehr zum Absoluten, zur Versöhnung mit diesem. Die Idee der Seele ist in Gott ewig. Die Schrift »Darstellung des wahren Verhältnisses der Naturphilosophie zur verbesserten Fichteschen Lehre« (1806) bringt die Lehre von der »Kopula«, vom »absoluten Bande«, welches Unendliches und Endliches verbindet, und die unendliche Liebe Gottes zu sich selbst ist. Den theosophischen Standpunkt stellt vollends die Schrift »Über das Wesen der menschlichen Freiheit« (1809).dar, die auf J. Böhme zurückgeht. In Gott ist ein »Urgrund« oder »Ungrund« ein Grund seiner Existenz, die Natur in Gott, aus der die Dinge werden. Der Ungrund (die Indifferenz) ist nicht selbst Gott, sondern die Grundlage des Seienden, des Unvollkommenen, Bösen. Aus der »Sehnsucht« in Gott, dem dunklen, verstandlosen Willen gehen die endlichen Dinge hervor. »Wollen ist Ursein«; auf dieses allein passen alle Prädikate desselben: Grundlosigkeit, Ewigkeit, Unabhängigkeit von der Zeit, Selbstbejahung. Das unbegrenzte Sein in Gott ist das durch sein bloßes Wollen Gesetzte; das »blind Seiende« ist Wille, der in der Natur herrscht (vgl. Schopenhauer). Der Eigenwille jeder Kreatur ordnet sich dem Verstand als Universalwillen unter. Im Menschen erhellt sich das finstere Prinzip, sein Wille kann die Einheit mit dem Göttlichen finden, das Böse, das auf einem Abfall beruht, lassen, auch die Natur erlösen (vgl. E. v. Hartmann). Die Freiheit hat der Mensch im Zustande der Präexistenz, wo er seinen Charakter frei bestimmt hat, von dem er jetzt determiniert ist. »Die Tat, wodurch sein Leben in der Zeit bestimmt ist, gehört selbst nicht der Zeit, sondern der Ewigkeit an; sie geht dem Leben auch nicht der Zeit nach voran, sondern durch die Zeit hindurch (unergriffen von ihr) als eine der Natur nach ewige Tat.« Durch sein vorzeitliches »Selbstsetzen«, sein »Ur- und Grundwollen« sind die Handlungen des Menschen notwendig bestimmt (vgl. Kant, Schopenhauer).


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Seite zuletzt aktualisiert: 25.10.2006