5. Zweiteilung der Künste bis zur Gewinnung der Hakenfischerei


Fremder: [219d] Wenn nun alle Künste zur erwerbenden oder hervorbringenden gehören, unter welche, o Theaitetos, wollen wir den Angelfischer setzen?

Theaitetos: Unter die erwerbende offenbar.

Fremder: Gibt es aber von der erwerbenden nicht zwei Gattungen, deren eine jegliches auf beiden Seiten gutwillig umsetzende ist, durch Geschenk sowohl als Kauf oder Miete; das übrige insgesamt aber, jegliche Bezwingung, geschehe sie nun wörtlich oder tätlich, in sich Schließende hieße die bezwingende.

Theaitetos: Es ist deutlich aus dem Gesagten.

Fremder: Wie aber? Sollen wir die bezwingende nicht wieder in zwei zerschneiden?

Theaitetos: Auf welche Art?

Fremder: [e] Indem wir nämlich alles Offenbare als Kampf setzen, das Heimliche in ihr aber insgesamt als Nachstellung.

Theaitetos: Gut.

Fremder: Die Nachstellung nun wäre es unvernünftig nicht wieder in zwei zu teilen.

Theaitetos: Sage, wie?

Fremder: Die eine für das Leblose absondernd, die andere für das Belebte.

Theaitetos: Warum sollte man nicht, wenn es doch beides gibt?

Fremder: Wie gäbe es das nicht! [220a] Und die des Leblosen, welche bis auf einige Teile der Taucherkunst und andere dergleichen kleinere unbenannt ist, müssen wir liegen lassen, die des Belebten aber, welche nun die Nachstellung gegen Tiere ist, die Tiernachstellung oder die Jagd nennen.

Theaitetos: So sei es.

Fremder: Von der Jagd aber könnte man nicht eine zwiefache Art mit Recht anführen? Eine, welche, auf die Gattung der Landtiere gehend, in viele Arten und Namen geteilt ist, die Landjagd; die andere, ganz auf die schwimmenden Tiere gehend, die Jagd im Flüssigen.

Theaitetos: Allerdings.

Fremder: [b] Von den schwimmenden Tieren aber sehen wir ein befiedertes Geschlecht und ein im Wasser lebendes?

Theaitetos: Wie sollten wir nicht?

Fremder: Und die gesamte Jagd auf das befiederte Geschlecht heißt doch wohl die Vogeljagd?

Theaitetos: So heißt sie allerdings.

Fremder: Und die auf das im Wasser Lebende insgemein die Fischerei?

Theaitetos: Ja.

Fremder: Und wie? Möchten wir nicht auch diese Jagd wiederum in zwei große Teile teilen?

Theaitetos: In was für welche?

Fremder: Inwiefern der eine durch Gehege allein den Fang vollbringt, der andere durch Verwundung.

Theaitetos: Wie meinst du das? Und wonach trennen sich beide?

Fremder: [c] Die einen, weil alles, was etwas, um es zurückzuhalten, umgibt, wohl ein Gehege heißen muß.

Theaitetos: Freilich.

Fremder: Reusen also und Schlingen und Hamen und Grundnetze und dergleichen, soll man das anders als Gehege nennen?

Theaitetos: Nicht anders.

Fremder: Netzfang also würden wir diesen Teil der Jagd nennen, oder so ungefähr.

Theaitetos: Ja.

Fremder: Der aber mit Haken und Harpunen durch Verwundung geschieht, [d] den würden wir von jenem unterscheidend jetzt mit einem Worte die Wundfischerei nennen müssen. Oder wie, Theaitetos, könnte man sie besser benennen?

Theaitetos: Laß es sein mit dem Namen; denn auch dieser ist gut genug.

Fremder: Die nächtliche Art Wundfischerei nun, die beim Scheine des Feuers getrieben wird, heißt bei denen, die ihr obliegen, schon der Fackelfang.

Theaitetos: Freilich.

Fremder: Die aber bei Tage, mit Haken an der Spitze und mit Harpunen, heißt im allgemeinen die Hakenfischerei.

Theaitetos: So heißt sie. [e]



Quelle: www.textlog.de

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Seite zuletzt aktualisiert: 08.01.2006 
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