4. Möglichkeit der Flucht


Kriton: [44e] Das mag immer so sein. Dies aber, Sokrates, sage mir, ob du auch nicht etwa um mich besorgt bist und um die anderen Freunde, dass nicht, wenn du von hier weggingest, die Angeber uns Händel anrichten, weil wir dir heimlich fortgeholfen hätten, und wir dann entweder unser ganzes Vermögen daran geben müßten oder doch vieles Geld, und vielleicht noch sonst etwas dazu erleiden. [45a] Denn wenn du dergleichen etwas fürchtest, das laß gut sein! Uns gebührt es ja wohl, über deiner Rettung diese Gefahr auf uns zu nehmen, und wenn es sein müßte, eine noch größere. Also gehorche mir und tue ja nicht anders!

Sokrates: Auch darum bin ich besorgt: auch noch um vieles andere.

Kriton: Keineswegs aber befürchte dies! Denn zuerst ist es nicht einmal viel Geld, wofür einige dich retten und von hier wegführen wollen. Und dann, siehst du nicht diese Angeber, wie wohlfeil sie sind, und wie gar nicht viel Geld für sie nötig sein würde? Für dich also, glaube ich, würde auch mein Geldvorrat hinreichend sein. [b] Wenn du aber etwa aus Vorsorge für mich nicht leiden wolltest, dass ich von dem meinigen aufwendete, so sind hier die Fremden bereit, es auszulegen. Ja, einer hat ausdrücklich hierzu eine hinreichende Summe zur Stelle gebracht, Simmias von Theben. Auch Kebes ist bereit und gar viele andere. So daß, wie gesagt, weder aus dieser Besorgnis du es aufgeben darfst, dich zu retten, noch auch, was du vor Gericht sagtest, dir hinderlich sein muß, dass du nämlich nach deiner Auswanderung von hier nicht wissen würdest, was du anfangen solltest mit dir selbst. [c] Denn an gar vielen Orten auch anderwärts, wohin du nur kämest, würde man dich gern sehen; wolltest du aber nach Thessalien gehen, so habe ich dort Gastfreunde, die dich sehr wert achten und dir solche Sicherheit genug gewähren würden, dass dir niemand etwas anhaben dürfte in Thessalien.


 © textlog.de 2004 • 24.10.2017 04:22:51 •
Seite zuletzt aktualisiert: 07.01.2006 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright