18. Ist der Sophist jener Reinigungskünstler?


Fremder: Wie nun? Die diese Kunst ausüben, wie sollen wir die nennen? Denn ich fürchte mich noch, sie Sophisten zu nennen. [231a]

Theaitetos: Wieso?

Fremder: Damit wir ihnen nicht zu große Ehre erweisen.

Theaitetos: Aber das eben Gesagte gleicht doch einem solchen ziemlich.

Fremder: Auch dem Hunde der Wolf, das Wildeste dem Zahmsten. Der Vorsichtige aber muß sich am meisten mit den Ähnlichkeiten in acht nehmen; denn es ist eine gar zu gefährliche Art. Dennoch mögen sie es sein. Denn um kleiner Bestimmungen willen, denke ich, wird sich der Streit nicht entspinnen, [b] wenn man sie nur recht in acht nimmt.

Theaitetos: Nein, sollte man denken.

Fremder: So sei denn ein Teil der sondernden Kunst die reinigende, von der reinigenden werde der Teil für die Seele abgesondert, von diesem die Belehrung und von der Belehrung die Unterweisung, und von der Unterweisung, werde gesagt, sei die auf leere Scheinweisheit gerichtete Prüfung nach der jetzt nebenbei erschienenen Erklärung nichts anders als die edle und vornehme Sophistik.

Theaitetos: Gesagt werde dies zwar; aber ich bin nun schon ganz bedenklich, weil er uns als so vieles erschienen ist, was man denn nun, wenn man es ernsthaft meint und behauptet, [c] sagen soll, dass der Sophist in Wahrheit sei.

Fremder: Mit Recht bist du bedenklich. Aber auch jenem, muß man glauben, sei es nun schon ganz bedenklich, wohinaus er wohl unserer Untersuchung entkommen wolle. Denn richtig ist das Sprichwort: Vielen ist nicht leicht auszuweichen; jetzt also müssen wir ihm erst am meisten zusetzen.

Theaitetos: Wohl gesprochen.


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