38. Die Verbindung der Begriffe als eine beschränkte und Erfordernis einer höchsten Wissenschaft von ihr


Fremder: Das dritte bleibt uns also allein übrig.

Theaitetos: Ja.

Fremder: [252e] Aber eines von diesen ist doch notwendig, dass entweder alles, oder nichts, oder einiges zwar, anderes aber nicht sich vermischen könne?

Theaitetos: Ganz gewiß.

Fremder: Und zwei Fälle sind doch als unmöglich erfunden.

Theaitetos: Ja.

Fremder: Jeder also, der richtig antworten will, muß den roch übrigen Fall von den dreien annehmen.

Theaitetos: Offenbar.

Fremder: Wenn nun einiges sich hierzu versteht, anderes nicht, so geht es damit fast wie mit den Buchstaben. [253a] Denn auch von diesen lassen sich einige nicht miteinander zusammenstellen, andere aber einigen sich wohl.

Theaitetos: Das ist sicher.

Fremder: Die Selbstlauter aber gehen vorzüglich vor den übrigen wie ein Band durch alle hindurch, so dass es ohne einen von ihnen auch für die übrigen nicht möglich ist, dass einer sich mit einem andern verbinde.

Theaitetos: Ganz unmöglich.

Fremder: Weiß nun jeder, welcher mit welchen in Gemeinschaft treten könne? Oder gehört dazu eine Kunst, wenn man es recht machen will?

Theaitetos: Eine Kunst.

Fremder: Was für eine?

Theaitetos: Die Sprachkunde.

Fremder: [b] Und ist es nicht, was die hohen und tiefen Töne betrifft, ebenso? Der, welcher die Kunst besitzt, einzusehn, welche sich mit einander vermischen lassen und welche nicht, ist der Musikalische, wer dies aber nicht versteht, der Unmusikalische?

Theaitetos: So ist es.

Fremder: Und bei jeder anderen Kunst und unkünstlerischem Verfahren werden wir anderes Ähnliche finden.

Theaitetos: Unbedenklich.

Fremder: Da wir nun zugestanden haben, dass auch die Begriffe sich gegen einander auf gleiche Weise in Hinsicht auf Mischung verhalten: muß nicht auch mit einer Wissenschaft seine Reden durchführen, wer richtig zeigen will, welche Begriffe mit welchen zusammenstimmen, und welche einander nicht aufnehmen? Und wiederum, ob es solche sie allgemein zusammenhaltende gibt, [c] dass sie imstande sind, sich zu vermischen? Und wiederum in den Trennungen, ob andere durchgängig der Trennung Ursache sind?

Theaitetos: Wie sollte es hierzu nicht einer Wissenschaft bedürfen und vielleicht wohl gar der größten?


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