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Idealismus, Philosophie


Platon gehört zu den größten Philosophen aller Zeiten. Er ist der Begründer des (objektiven) Idealismus, jener Welt- und Lebensanschauung, für welche die höchsten Werte nicht im Gebiet des sinnlich-empirisch Wirklichen, überhaupt nicht im »Gegebenen« der Erfahrung, sondern in obersten Zielpunkten des Schauens, Denkens und Strebens, im Idealen, in einem Zusammenhang von »Ideen«, von Ur- und Musterbildern des Wirklichen liegen. Eine künstlerische und bei allem wissenschaftlichen Triebe zugleich tief religiöse Natur, mißt Platon das Gegebene stets au idealen Maßstäben und strebt er stets hinaus über das Gegebene zu jenen Regionen, »wo die reinen Formen wohnen«, zu einer Lichtwelt des reinen Seins, zum Reiche des Wahren, Guten und Schönen an sich, als dessen Bürger er sich fühlt und nach dem ihn die Sehnsucht hintreibt. In diesem Reiche sucht er zugleich die Grundlage für die Erkenntnis der Erfahrungswirklichkeit; logische und metaphysische Prinzipien gehen so in Eins zusammen. Fragen wir nach den Einflüssen, welche Platon erfahren hat, so ist hier vor allem die Methode der Sokratischen Dialektik und die Sokratische Wertung der streng begrifflichen Erkenntnis, sowie auch die ethische Richtung des Sokratischen Denkens zu nennen, ferner Heraklit, dessen Theorie des Werdens Platon für die Sinnendinge annimmt, dann die Eleaten, deren Lehre vom unveränderlichen Sein des wahrhaft Wirklichen bei Platon in modifizierter Form (Anerkennung der Realität der Vielheit) auftritt und endlich besonders der Pythagoreismus in theoretisch-praktischer Beziehung, in Verbindung mit »orphischen« u. a. Mysterien.

Die (durch das »Staunen« über die Dinge ausgelöste) Philosophie ist nach Platon der Erwerb des Wissens (ktêsis epistêmê). Philosophen sind weder die absolut Wissenden noch die Nichtwissenden, sondern die in der Mitte zwischen beiden Stehenden. Es sind dies diejenigen, die nach der Erfassung des wahrhaft Seienden streben (tous ara hekaston to on aspazomenous philosophous klêteon, Republ. VI, 480 B). Die philosophische Methode ist die Dialektik, das Verfahren, durch Analyse und Synthese der Begriffe, durch logische Induktion, durch Fortgang des Denkens von niederen, spezielleren zu höheren, allgemeineren Begriffen, vom Bedingten zum Unbedingten (anypotheton) und von diesem wieder zum Bedingten das Allgemeine im Einzelnen und das Einzelne aus dem Allgemeinen zu begreifen. Das Höchste in der Dialektik ist die Erfassung der Ideen durch »Zusammenschauen« des Gemeinsamen einer Vielheit zur Einheit des Gedachten (eis mian te idean xynorônta agein ta pollachê diesparmena, Phaedr. 265). Die Dialektik ist die Erkenntnis des Seienden, Wahren, in der Erscheinungen Flucht sich gleich Bleibenden (peri to on kai to ontôs kai to kata tauton aei pephykos, Phileb. 57 E. 58 A). Der vom Eros (»platonischer Liebe«) getriebene Dialektiker will Erkenntnis des Seienden um ihrer selbst willen, er sucht das Wesen der Dinge (ton logon hekastou lambanonta tês ousias, Republ. 543 B).


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Seite zuletzt aktualisiert: 28.11.2006