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Novalis   
(1777-1801)


Novalis (Friedrich von Hardenberg), 1777-1801, der bekannte Dichter, ist auch als Philosoph beachtenswert, als ein von Hemsterhuis und besonders von Kant, Fichte und Schelling beeinflußter Romantiker. Außer dem Roman »Heinrich von Ofterdingen« kommen hier besonders die »Fragmente« in Betracht, welche eine Menge philosophischer Aphorismen enthalten.

Novalis verkündet einen »magischen Idealismus«, der von der Macht des Geistes über die Natur durchdrungen ist. Aus dem Geiste allein ist die Natur zu begreifen und durch den Geist wird sie beständig gestaltet, erneuert. Die Philosophie ist »Heimweh, ein Trieb, überall zu Hause zu sein«, das »Poem des Verstandes«, eine »Erregung des wirklichen Ich durch das idealische Ich«, die Kunst, ein Weltsystem aus den Tiefen unseres Geistes heraus zu denken. »Erst im vollständigen System aller Wissenschaften wird die Philosophie recht sichtbar sein«. Philosophie ist »das Ideal der Wissenschaft überhaupt«, die »vollendete Intelligenz«. Die wahre Philosophie ist »realistischer Idealismus« und beruht auf »höherem Glauben«; sie behandelt die »Ehe von Natur und Geist«.

Die Kategorien kommen nur verbunden vor. Sie sind das »Alphabet cogitationum humanarum, worin jeder Buchstabe eine Handlung begreift«. Raum und Zeit entstehen zugleich und sind eins. »Raum ist beharrliche Zeit, Zeit ist fließender, variabler Raum«. Jeder Körper ist ein »ausgefüllter Trieb«, ein »Raumerfüllungsindividuum.« Das loh, die »Selbstheit« ist der Grund aller Erkenntnis, der Zentralpunkt, in dem wir alle identisch sind. Wir müssen uns erst zum wahren Ich erheben, wir sind es noch nicht ganz. Die Welt ist ein »Universaltropus des Geistes, ein symbolisches Bild desselben«. Wir schaffen eine Welt aus uns heraus und werden damit immer freier. »Wir wissen nur, insoweit wir machen.« Die Natur ist ein »enzyklopädischer, systematischer Index oder Plan unseres Geistes«. Sie ist eine »versteinerte Zauberstadt«, und sie hat sich wohl mit wachsender Kultur wesentlich verändert; der Mensch erlöst die Natur. Die Natur ist ein »gehemmter Personifikationsprozeß«. Alles Leben ist ein »Erneuerungsprozeß«, ein »ununterbrochener Strom«, »Opposition gegen den Mechanismus« (vgl. Bergson). Die Mathematik ist realisierter Verstand; das höchste Leben ist Mathematik, reine Mathematik ist Religion. Der »innige Zusammenhang, die Sympathie des Weltalls« ist die Basis der Mathematik. Zahlen sind Erscheinungen, ihre Verhältnisse sind »Weltverhältnisse«. »Die reine Mathematik ist die Anschauung des Verstandes, als Universum«. Echte Mathematik ist das »eigentliche Element des Magiers«. Sie ist echte Wissenschaft, weil sie »gemachte Kenntnisse enthält, Produkte geistiger Selbsttätigkeit«. Wahrscheinlich gibt es in der Natur eine »wunderbare Zahlenmystik«, auch in der Geschichte. Philosophie ist die »Universal- oder höhere Mathematik«.

Die Welt werden wir verstehen, wenn wir uns selbst verstehen. Wir sind Gotteskinder, göttliche Keime; einst werden wir sein, was unser Vater ist. Die Welt ist »Resultat einer Wechselwirkung zwischen mir und der Gottheit«. »Alles, was ist und entsteht, entsteht aus einer Geisterberührung.« Gott ist »das Ziel der Natur, dasjenige, mit dem sie einst harmonieren soll«. Die Natur soll moralisch werden. In allem offenbart sich Gott, er ist die Liebe. Der Glaube ist wundertätig, Gott ist in dem Augenblicke, als ich ihn glaube. Glaube ist »Wahrnehmung des realisierten Willens«. Wahre Religion ist Christentum. »Die christliche Religion ist die eigentliche Religion der Wollust. Die Sünde ist der große Reiz für die Liebe der Gottheit.« Das System der Moral muß ein System der Natur werden. Unser sittlicher Wille ist zugleich der göttliche Wille. Wir sind die Erzieher der Natur. Unser Körper soll willkürlich, unsere Seele organisch werden. Wille ist »magisches, kräftiges Denkvermögen« und fähig, die Natur zum Ausdruck und Werkzeug des Geistes, zu Gedanken zu machen; wer dies vermag, ist der »magische Idealist«. Magie ist »Kunst, die Sinnenwelt willkürlich zu gebrauchen«. »Die Welt muß romantisiert werden: So findet man den ursprünglichen Sinn wieder. Romantisieren ist nichts als eine qualitative Potenzierung.«

 

Schriften: Novalis' Schriften, 1802; hrsg. von Meissner, 1898, von Heilborn, 1900, von J. Minor, 1907; von H. Friedemann (Goldene Klaasiker-Bibl.). - Vgl. E. HEILBORN, N., der Romantiker, 1901. - E. FRIEDELL, Novalis als Philosoph, 1904. - H. SIMON, Die theoretischen Grundlagen des magischen Idealismus Ton N., 1905. - R. HUCH, Die Blütezeit der Romantik, 2. A. 1901.


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