Lattig. Lactuca sativa

Lattig (Lactuca sativa L.). Die Blätter dieser als Salat allenthalben bekannten Gartenpflanze gebraucht man äußerlich zum Verbinden schmerzlicher Geschwüre, zur Heilung des Kopfgrindes und der Flechten, wo zuerst die Stellen gereinigt und dann die Blätter zerquetscht eingerieben werden, so dass der Saft in die wunden Hautstellen dringt. — Gegen den Kopfgrind (Tinea Capitis) rühmt Osiander besonders das Abschneiden des Haars, das Losweichen der Grindborken und Entfernen derselben durch Umschläge von Leinsamenmehl und das tägliche Waschen mit natürlichem oder künstlichem Schwefelwasser. Abends kann man eine Salbe aus Schwefel und Schweinefett einreiben.

Heim (Vermischte med. Schriften, herausgeg. von Pätsch 1836 p. 186) lobt folgendes Hausmittel: Nachdem die Haare abgeschnitten sind, lässt man die Krusten mit Baumöl bestreichen, und mit doppelt zusammengelegten Kohlblättern (vom Weißkohl) bedecken. Mit diesen wird zweimal täglich gewechselt, und so 14 Tage fortgefahren, wonach der Grind in dieser Zeit oft schon verschwunden ist. Ein französisches Volksmittel ist, nach Fouquet, eine Kröte in Öl gekocht und damit den Kopf eingerieben, oder gestoßene Wacholderbeeren mit Schmalz zur Salbe gemacht, oder Ofenruß mit Fett (Blaud), gepulverte Holzkohle, aufgestreut, und den Tag darauf den Kopf mit grüner Seife abgewaschen, wodurch der nässende Kopfgrind schnell heilt (Thilenius). Marinus heilte von 100 Kranken 75 durch eine Abkochung von zwei Hände voll Ofenruß, mit zwei Pfund Wasser bis auf ein Pfund eingekocht, und eben so viel Fett zugesetzt, womit der Kopf täglich eingerieben wurde. Gleichzeitig gab er innerlich Calomel, Dulcamara (s. Schmidt's Jahrb. 1840 Bd. 25 Heft 1 S. 17).

Galen rät, den Kopf mit scharfem Essig, worin Kreide gemischt, zu fomentieren. Ein schwedisches Volksmittel ist das Verbinden mit Bierhefen; das Waschen mit Tabaksaschenlauge, mit dem sogenannten Saft aus den Schwammdosen der Tabakspfeifen, — schon das fleissige Waschen mit reinem kaltem Wasser hat das Übel, selbst wenn es erblich war, geheilt.

Zuweilen helfen alle diese Mittel wenig, zumal wenn das Übel veraltet und erblich ist. Hier rät Osiander (l. c. p. 572) mit Recht, die Haare der Grindstellen samt den Wurzeln auszureißen. Dieses geschieht, indem man die einzelnen Haare mit einer kleinen Pinzette auszieht, oder man lässt (bei größeren Flächen) starke Leinwand mit gemeinem Schusterpech bestreichen, schneidet diese in fingerbreite Streifen und drückt das erwärmte Pflaster auf die abgekürzten Haare. Nach dem Erkalten lässt man den Kranken selbst das Pflaster mit den Haaren losreißen. — Von einer alten Frau lernte ich ein Hausmittel gegen Kopfgrind kennen, welches fast alle anderen Mittel an Wirksamkeit übertrifft. Zuerst befreiet man den kurz abgeschorenen Kopf mit Öl und Seifenwasser von den Borken, alsdann mischt man Eigelb, sauren Milchrahm und Wagenteer (Pix liquida) zu gleichen Teilen, streicht davon dick auf Leinwand und bedeckt damit, alle Abend erneuert, die leidenden Stellen. Alle vier bis sieben Tage ist eine Abführung von Sennesblättern und Glaubersalz, darneben eine magere, knappe Diät (kein gepökeltes, geräuchertes, kein Enten-, Gänse- und Schweinefleisch, keine Spirituosa, keine Körpererhitzung durch Tanzen etc.) notwendig.



Quelle: www.textlog.de

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Seite zuletzt aktualisiert: 28.11.2007 
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