c) Diät und Pflege des Geruchsinns

Diät und Pflege des Geruchsinns. Es ist unglaublich, wie wenig auf diesen so wichtigen Gegenstand oft im Leben geachtet wird. Und doch ist der Geruchsinn der subjektivste aller Sinne, und seine Bedeutung viel größer, als die des Geschmacksinnes. Denn der Geruch dient nicht allein zur Unterstützung des letztern, sondern auch zur Prüfung der Luft, welche wir einatmen. Er ist auch ein reicher Quell der Lust, bei Menschen der Sinn sanfter und zärtlicher Eindrücke. Wer den Geruch völlig und viele Jahre lang verloren hat, d. h. in früheren Jahren und ohne, dass ein bedeutender moralischer Fond in ihm vorhanden sei, — der ist in der Regel wahrer Liebe und Freundschaft, inniger Gemütlichkeit nicht fähig. Er ist ein kalter Egoist, der ohne Gemüt nur das Irdische berechnet, seiner Sinnlichkeit fröhnt und höhere Gefühle nicht kennt, daher auch gern ein Hagestolz bleibt.

— Die Geruchsorgane leiden besonders durch verdorbene Wohn- und Schlafzimmerluft, durch starke und faulige Gerüche, als Lilien-, Narzissblumen, Jasmin, Nachtviolen etc., wenn diese sich in den Wohn- und Schlafzimmern befinden, durch Unreinlichkeit und Mangel an Lüften und Reinigen der letztern u. s. w. Siebenhaar (I. c. p. 91) rechnet hierher auch die Angewohnheit durch den Mund zu atmen, mit den Fingern in den Nasenlöchern viel herumzubohren und zu kratzen (?!), und sich baumwollener Taschentücher zu bedienen. "Die Nasenschleimhaut wird dadurch — sagt er — in einen gereizten und entzündlichen Zustand versetzt, und es pflegen daraus scharfe und übelriechende Absonderungen, Stockschnupfen, eine näselnde und unangenehm klingende Sprache, Grinder und sogar Nasenpolypen zu entstehen."

Wir lassen dies dahin gestellt sein und bemerken nur noch, dass folgende Hausmittel nicht allein vor Geruchlosigkeit, sondern auch vor habituellen Katarrhen ganz vorzüglich schützen: α) Man reinige täglich, jeden Morgen nach dem Waschen des Gesichts, des Halses, der Brust und der Arme mit kaltem Wasser, auch mit letzterem die Nase, indem man einige Handvoll davon einschlürft. β) Man gehe täglich einige Stunden in freier Luft spazieren und gewöhne sich, langsam durch die Nase zu atmen. γ) Man enthalte sich des täglichen Gebrauchs des Schnupftabaks. δ) Man öffne täglich Stundenlang die Fenster des Wohn- und Schlafzimmers, damit frische, reine Luft dieselben durchdringt. ε) Leidet man schon längere Zeit an Schnupfen, so ist das Stubenhüten schädlich, vorteilhaft dagegen, wenn man sich täglich ein paar Stunden der freien Luft, selbst bei schlechtem Wetter, exponiert, auch mit einer Feder etwas reines, gutes, nicht ranziges Provençer- oder Johannisöl in beide Nasenlöcher bringt.


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