Bäder. Balnea

Bäder (Balnea). Das kalte Baden in Flüssen, sowie in der See gehört zu den ältesten Mitteln, den Körper zu reinigen, abzukühlen, zu erquicken, zu stärken, abzuhärten, die Gesundheit zu erhalten und das Leben zu verlängern. Schon der Instinkt lehrt die Wilden und alle sonstigen Naturmenschen, das Element des Wassers aufzusuchen, und es gibt wohl selten bessere Schwimmer, als die Südsee-Insulaner, wie sie uns Cook, Lapeyrouse, Kotzebue und andere Reisende beschreiben.

Die alten Griechen hatten, nach Homer, schon die Sitte, in ihren Häusern Bäder anzulegen. Ulysses musste erst ein Bad nehmen und sich mit köstlichen Essenzen salben, ehe er den Palast der Kirke betreten durfte. — Der Fremde, sobald er beim Griechen ein gastfreies Obdach gefunden, konnte als das erste Erfordernis der Bewirtung auf ein reinigendes, wie auf ein erquickendes Bad rechnen. — Die öffentlichen Bäder der Griechen und Römer waren zweckmäßig eingerichtete, nicht selten recht prachtvolle Gebäude, welche selbst in ihren Überresten noch unsere Bewunderung erregen. — Dass die Reinlichkeit der Haut durch tägliches Waschen und Baden die Gesundheit erhalte und vor vielen Krankheiten schütze, — dies ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, die keines Beweises bedarf. Unter der niedern Volksklasse finden wir viele, meist aus Unreinlichkeit herrührende Übel, die der Vornehme kaum dem Namen nach kennt, als: Flechten, Krätze, Geschwüre an den Füßen, Furunkeln, Kopfgrind u. s. w.

Das Baden des Körpers ist nur dem Grad nach von dem Waschen verschieden; und für schwache Personen ersetzt letzteres, gehörig und methodisch angewandt, oft das Bad vollkommen, indem man zuerst und mit lauem Wasser Kopf, Hals und Brust, die Hände und Arme aber mit kaltem Wasser, später auch den ganzen Körper mit kaltem Wasser mittels eines großen Schwammes oder der bloßen Hände (welche der Wasserdoktor Prießnitz auf Gräfenberg nach dem Grundsatz: "Leben auf Leben" seit ein paar Jahren dem Schwämme vorzieht) vom Kopf bis zu den Füßen abwascht und sich dann rasch mit erwärmten Tüchern abtrocknet und mit Flanell frottiert.

Dieses Verfahren stärkt nicht allein den Körper, sondern es härtet ihn auch gegen die nachteiligen Einflüsse einer veränderlichen Luft und Witterung ab, schützt daher vor allen jenen, so häufig durch Erkältung entstehenden gichtischen und rheumatischen Übeln, welche bei uns so viele Menschen oft Jahre lang heimsuchen. — Überhaupt ist das kalte Wasser (s. d. Art), sowohl sein äußerlicher als innerlicher Gebrauch als Schutzmittel für die Gesundheit und als Heilmittel zahlreicher Krankheiten selbst, von allen Volks- und Hausmitteln das größte, wichtigste und am häufigsten in Anwendung gebrachte.

Die vorzüglichsten Vorteile des Waschens und Badens des ganzen Körpers sind: Reinigung und Stärkung der Haut, Beförderung eines regelmäßigen Blutumlaufs und gehöriger Verkeilung aller Säfte, gehörige Körperausdünstung und freies Atmen der Haut, gleichmäßige Verteilung der tierischen Wärme und der tierischen Elektrizität (deren ungleichmäßige Verteilung so viele rheumatische und nervöse Leiden: Zahn-, Kopf-, Hals- und Gliederweh, Gesichtsschmerz, Magenkrampf, Hüftweh, Hysterie, selbst Epilepsie begünstigt), — angenehme und gleichmäßige Stimmung des Geistes und Körpers, — kurz, Gesundheit, Zufriedenheit, Frohsinn und langes Leben.

Es ist zu beklagen, dass in vielen Staaten Europas für die Anlegung öffentlicher Badehäuser in jeder großen und kleinen Stadt, wie darin die Griechen und Römer uns vorangegangen sind, wenig oder nichts geschieht. Es sollte das Baden, wie die Gymnastik der Alten und unsere Turnanstalten, von Staatswegen mehr angeregt werden. Auch finden wir in Deutschland nur selten hinreichende Privat-Badeanstalten, um sowohl im Winter, als im Sommer baden zu können, wenn auch die Anstalten für Kaltwasserbäder in Flüssen seit einigen Jahren hier, sowie im Ausland, sich bedeutend vermehrt haben. (S. Wasser.) Unter allen Völkern lieben besonders die Russen das Baden (s. unten), sowie die Türken und Griechen. Fast jeder vornehme Grieche und Türke hat seine eigene Badstube, und in Indien besteht eine ganz eigentümliche Art zu baden, wo der Badende nackt auf ein Brett gelegt, mit warmem Wasser begossen, gewaschen und dann der ganze Körper mit großer Gewandtheit gedrückt, gepresst (massiert) und gerenkt wird. (S. unten den Art. Massieren des Körpers.) Ein solches indisches Bad, besonders in Ruf gegen nervöse, rheumatische und skrophulöse Leiden, ist seit einigen Jahren in London angelegt worden.

Im Allgemeinen lässt sich über die Bäder und ihre verschiedenen Wirkungen nur so viel sagen:

1) Sie werden bestimmt und wirken verschieden, je nachdem die Stoffe sind, aus welchen sie bestehen, und nach Maßgabe der Temperatur. Man bereitet Bäder nicht allein aus Wasser, sondern auch aus Milch, Wein, Aufgüssen von aromatischen Kräutern (s. unten Lit. K. das medizinische Bad). Außerdem gibt es Luft-, Dampf-, Sand-, Erdbäder, Stahl- und Schwefelbäder, elektrische Bäder u. s. w.

2) Der Temperatur nach unterscheiden wir:

a) kalte Bäder, unter acht Grad Reaum. Sie sind in den letzten Jahren als kalte Flussbäder, desgleichen die unzweckmäßige Anwendung des Wassers in Fällen, wo die Wasserkur nichts leistet, vielfach missbraucht worden, und mancher schwache und kranke Körper hat dadurch sein Leiden vergrößert oder gar das Leben dabei eingebüsst, wozu denn auch die strenge Diät bei der Wasserkur wohl mit beigetragen haben mag. (S. Wasser)

b) kühle Bäder. Sie haben eine Temperatur von 9—17 Grad Reaum.

c) laue Bäder, von 17—24 Grad Reaum.

d) warme Bäder, von 24—28 Grad Reaum.

e) heiße Bäder, sind solche, die über 28 Grad Reaum sind.

3) Für Gesunde sind die lauen Bäder am besten; die kalten und die heißen passen nicht, indem sie beide durch Überreizung schwächen, wenn keine besondere Vorsichtsmassregeln getroffen werden, wie z.B. in den russischen Dampfbädern das Begießen mit kaltem Wasser, in den Kaltwasserheilanstalten das Schwitzen in Zimmern bei offenen Fenstern, um den Blutandrang zum Kopf und zu anderen edlen Organen der Brust und des Unterleibs, und dessen schlimme Folgen zu verhüten.

4) Mit dem kalten Baden in den Flüssen hat man in neuester Zeit viel Unfug getrieben. Es gab Personen, welche Athleten werden wollten und deshalb bei uns in jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung Flussbäder nahmen, ja selbst, wenn der Strom mit Eis bedeckt war. Doch sind die meisten jener Wasserenthusiasten von ihren einseitigen Ansichten allmählich zurückgekommen, indem sie die Erfüllung ihrer gehegten Wünsche keineswegs folgen sahen. Der gesunde, mäßig lebende, die Reinlichkeit liebende Mensch bedarf solcher kalten Abhärtungsbäder nicht. Er wird seinem Naturgefühl nachgehen, daher wohl in heißen Sommertagen in den Flüssen oder in der See kalt baden, nicht aber im Winter oder in dem veränderlichen, nassen, kalten und windigen Tagen des Frühlings und Herbstes. Hier sind unstreitig laue und warme Bäder, deren Temperatur am besten jeder so bestimmt, dass weder Gefühl von Hitze, noch von Kälte ihn unangenehm im Bade belästigt, — im Winter bei geheizter Badstube — allen andern Bädern vorzuziehen. (S. Vogel, S. G. Beweis der unschädlichen und heilsamen Wirkungen des Badens im Winter u. s. w. Berlin 1828).

5) Je nachdem Bäder den ganzen Körper oder nur einen oder den andern Körperteil in Anspruch nehmen, unterscheidet man allgemeine und örtliche Bäder. Letztere werden als Volks- und Hausmittel gegen verschiedene Krankheiten sehr häufig angewendet. Wir führen hier folgende Bäder spezieller auf:


A. Das örtliche Dampf- oder Qualmbad
B. Das Gasbad
C. Das Luft- und Sonnenbad
D. Das Erdbad
E. Das Laubbad
F. Das heiße Sandbad
G. Das Ameisendunstbad
H. Das elektrische Bad
I. Das medizinische Bad
K. Das Augenbad oder die Augendusche
K. Das Fußbad

 © textlog.de 2004 • 20.08.2017 15:42:08 •
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