Arrow-root. Pfeilwurzelmehl

Arrow-root, Arrowwurzelmehl, Pfeilwurzelmehl. Dieses weiße, glänzende Satzmehl der Wurzel einer westindischen Pflanze, der Maranta arundinacea, liefert nicht allein für Ostindien und Südamerika, sondern auch für den größten Teil von Europa ein nahrhaftes Mehl, welches an Feinheit und Nährkraft keinem europäischen nachsteht und daher ebenso, wie das Racahout des Arabes, häufig im Handel bei uns vorkommt. Es ist ein Stärkemehl ohne Geschmack and Geruch, vermischt sich leicht mit kaltem Wasser und löst sich auch leichter im Kochen auf, als andere Stärkemehle. Mit kaltem Wasser gerieben, gibt es einen feinen Brei, mit Wein gekocht ein durchsichtiges Gelee, und mit Milch einen nicht so kleisterartigen Brei, als andere Mehlgattungen. Dadurch, und dass es sich sehr fein anfühlen lässt, unterscheidet es sich von Weizen- und Kartoffelstärke. Das Arrowmehl ist nicht so weiß, als die anderen Sorten Stärkemehl, hat aber weit feinere Körner, die unter dem Vergrößerungsglas glänzend und perlartig aussehen. Außerdem enthält es immer eine große Anzahl kleinerer Klumpen, die sich bilden, indem beim Trocknen kleinere Körner aneinander kleben. Diese Klümpchen lassen sich nicht leicht zwischen den Fingern zerbröckeln. Der Kleister endlich, den das Arrowmehl mit Wasser bildet, ist geruchlos, während der von Weizen- und Kartoffelstärke gebildete Kleister einen auffallenden und eigentümlichen Geruch hat. Übrigens unterscheidet sich das echte Arrow-root von dem unechten, gewöhnlich im Handel vorkommenden, besonders dadurch, dass destilliertes Wasser, welches zwei bis drei Stunden damit geschüttelt worden, so wenig vom salpetersauren Silber, als vom basisch-essigsauren Blei Fällungen erleidet. Dagegen entstehen diese (weiße) Fällungen im destillierten Wasser, welches auf gleiche Weise mit dem gewöhnlich im Handel vorkommenden Arrow-root in Berührung gestellt war.

Zu einer nahrhaften schleimigen Suppe für eine Person reichen zwei bis drei Teelöffel voll Arrowmehl hin, welches zuerst mit etwas kaltem Wasser angerührt und dann mit heißem Wasser, solcher Fleischsuppe, Milch u. s. w. einige Minuten bis zur Bildung einer leichten Gallertkonsistenz, gesiedet wird. Zuletzt setzt man etwas Zucker hinzu. Will man davon eine Weinsuppe bereiten, so lässt man das angerührte Mehl zuerst in heißem Wasser aufsieden und setzt später den Wein und etwas Gewürz hinzu. — Eine solche Arrow-Weinsuppe, täglich genossen, ist bei chronischen Durchfällen und Ruhren Erwachsener sehr zu empfehlen, doch dürfen die Kranken weder an einem Fieber, noch an heftigen Leibschmerzen gleichzeitig leiden, denn hier kann der Wein schaden. Dagegen ist der mit Milch oder Wasser bereitete Arrow-Schleim unter den zuletzt genannten Zufällen, sowie auch bei den Ruhren und Durchfällen kleiner Kinder vorzuziehen. Für letztere reicht ein Teelöffel voll hin, worauf man, nachdem das Mehl mit kaltem Wasser zu Brei gemacht, eine Obertasse voll kochende Milch gießt, es kräftig umrührt und bis zur leichten Gallert-Konsistenz am Feuer kochen lässt. Diese Suppe ist eine beliebte Kinderspeise in England, Deutschland, Frankreich, Dänemark u. s. w. Sie nährt bedeutend, passt bei Darrsucht und Skrofeln der Kinder, bei Lungensucht und sonstigen Zehrkrankheiten Erwachsener.

Das Racahout des Arabes, welches vorzugsweise die Odaleskinnen in den Serails, um mehr Embonpoint zu bekommen, allen anderen nährenden Speisen vorzuziehen pflegen, hat zum Hauptbestandteil gleichfalls Arrowmehl. Dieses angenehm schmeckende, so sehr nährende, schwachen Kindern und Rekonvaleszenten ungemein wohl bekommende Racahout besteht aus folgenden Ingredienzien:

Nr. 24. Nimm: gebrannte Kakaobohnen vier Lot, weißen Zucker 20 Lot, Saleppulver ein Lot, Arrowmehl acht Loth, Vanille 16 Gran. — Das Ganze wird fein pulverisiert und gut gemischt. Dosis und Gebrauch: Man nimmt für einen Erwachsenen zwei Esslöffel voll, für ein Kind die Hälfte und bereitet daraus mit Milch, Bouillon u. s. w. eine Suppe, ganz wie beim Arrowmehl oben angegeben worden ist.


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