Syllogismen


Wir sind nun so weit gelangt, dass wir auch ohne nähere Untersuchung schon wissen müssen, es werde der Syllogismus oder der logische Schluß ebenso wenig jemals unsere Erkenntnis weiterführen, als das Urteil es vermochte. Die alte Vorstellung, dass die Begriffe durch ihre Vergleichung zu der höheren Weisheit der Urteile zusammentreten, ist für uns nicht mehr vorhanden. Wir haben erfahren, dass nicht das Urteil durch die Begriffe deutlich gemacht werde, sondern der Begriff durch das Urteil. Steckt aber im Urteil nicht mehr Erkenntnisstoff als im Begriffe selbst, so kann der Schluß aus Urteilen nicht mehr heraus folgern als aus Begriffen. Es wird also wohl auch die Schlußfolgerung nichts Anderes sein als eine noch breitere Auseinanderlegung der Begriffe oder Worte, wobei keine neue Erkenntnis entstehen kann.

Seit Stuart Mill kann diese Unfruchtbarkeit der Schlüsse als bewiesen angenommen werden, aber die Schullogik klammert sich immer noch an die alten Lehren und sucht sie durch neue Konstruktionen zu retten. Man gibt seit Trendelenburg die formale Logik preis, das heißt diejenige Logik, die zugestandenermaßen die Brücke zwischen sich und der Wirklichkeit abgebrochen hat, und versucht die sogenannten Gesetze der Logik wieder mit den Gesetzen der Wirklichkeit s-welt in Verbindung zu bringen. Es wiederholt sich also hier auf der Höhe der logischen Arbeitsleistung, was wir schon in den Niederungen beobachtet haben. Die große und unumgängliche Hypothese des Waltens von Ursache und Wirkung in der Natur wird mit dem mangelhaften sprachlichen Bilde von einem Grunde und einer Folge gleichgesetzt, es wird der Folge aus dem Grunde die gleiche Notwendigkeit zugesprochen wie der Wirkung aus der Ursache, und die Nützlichkeit der Syllogismen scheint erwiesen.

Nun gibt die neuere Schullogik bereits unumwunden zu, dass in den meisten Schlußfolgerungen unseres Denkens kein Vorwärtsschreiten, sondern vielmehr bloß eine Art Rückwärtsschauen gegeben sei. Das beliebteste Beispiel für dieses Zugeständnis pflegt aus den Sätzen über unser Planetensystem genommen zu werden.

Wir machen also folgende Schlußfolgerung:

Alle Planeten sind an den Polen abgeplattet,

Der Mars ist ein Planet,

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also: der Mars ist an den Polen abgeplattet.

Das ist ein tadelloser Syllogismus. Aber es ist dabei sonnenklar, dass wir zu der Behauptung, "alle Planeten seien abgeplattet", wenn sie mehr als eine Vermutung sein soll, erst durch die besondere Beobachtung gelangt sein können, dass auch der Mars an den Polen abgeplattet sei. In allen solchen Fällen ist es jedem Kinde begreiflich zu machen, dass die Schlußfolgerung in unserem Denken früher vorhanden gewesen sein müsse als der Obersatz, aus dem wir sie nachher herausziehen. Es ist zweifellos, wie wir ja schon bei früheren Gelegenheiten sahen, dass die Folge früher da war als der Grund, dass das Bild von der Zeitfolge hergenommen also ein verkehrtes Bild sei, dass endlich die Gleichsetzung von Kausalität (Ursache und Wirkung) und Schließen (Grund und Folge) eine Sinnlosigkeit behauptet. Wir können nur wiederholen: durch das sogenannte Schließen wird nichts Neues erschlossen.  


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Seite zuletzt aktualisiert: 29.05.2006 
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