"judicium"


Das Verhältnis dieser Bedeutungen läßt sich in romanischen Sprachen besser verfolgen, weil sie mit dem Mönchslatein fester zusammenhängen. So Wurde im Französischen aus judicium (im juristischen Sinne) jugement, was dann daneben auch die Beurteilungskraft oder den Verstand und endlich auch das Urteil im logischen Sinn oder den Satz bedeutet. Die unscheinbare Bemerkung, dass jugement im Französischen auch ein Gutachten bedeuten könne, wird uns nach dieser kleinen sprachgeschichtlichen Abschweifung auf unsern Weg zurückführen.

Jugement bedeutet "Gutachten", weil es auch Urteilskraft oder Verstand bedeutet. Der Versuch des 18. Jahrhunderts, "Urteil" in diesem Sinne zu gebrauchen (z. B. ein Mann von viel Urteil), ist nicht recht geglückt. Wie kam aber die Sprache dazu, diese Metapher überhaupt zu bilden? Wie kam die Sprache dazu, das Bild von der Entscheidung über eine Schuldfrage auf den psychologischen Vorgang anzuwenden, der im Aussprechen eines Satzes besteht? Ich glaube, das kam so:


 © textlog.de 2004 • 22.01.2017 19:20:03 •
Seite zuletzt aktualisiert: 29.05.2006 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright