Schnelligkeit des Bilderstroms


Wie nun die Bilder sich ferner mit großer Geschwindigkeit regen,

Welche Beweglichkeit ihnen, indem sie die Lüfte durchschwimmen,

Zukommt, daß sie im Nu die weitesten Strecken durchmessen,

Jedes, wohin ein verschiedener Trieb es gerade mag lenken,

Dies will ich jetzt nicht in vielen, doch lieblichen Versen dir künden;

Kurz ist der Schwanengesang, doch er klingt weit besser als jenes

Kranichgeschrei, das den Äther erfüllt, aus den Wolken des Südwinds.

     Erstens sieht man, daß leichte, aus kleinen Atomen geschaffne

Körper sich trotzdem öfter mit großer Geschwindigkeit regen.

Dazu zählt man vor allem das Licht und die Wärme der Sonne,

Da sie ja beide bestehn aus den winzigsten Urelementen,

Die wie mit Hämmern geschlagen vom folgenden Stoße getrieben

Ohne Verweilen die Luft, die dazwischen ist, eilends durchsausen.

Strahl auf Strahl ersetzt sich sofort und es wird, wie am Leitseil

Ochse auf Ochse sich reiht, so der Blitz vom Blitze gestachelt.

Deshalb müssen auf ähnliche Art auch die Bilder imstand sein,

Unaussprechbare Räume in einem Moment zu durchfliegen,

Erstens, weil ununterbrochen von hinten ein freilich nur kleiner

Antrieb stets die Bilder nach vorne hin stößt und sie vortreibt,

Wo sie zudem sich so rasch mit beflügelter Leichtigkeit tummeln

Können, sodann weil im Fliegen ihr überaus zartes Gewebe

Leicht sich zu drängen vermag durch alle beliebigen Dinge

Und durch die Räume der Luft, die dazwischen sind, gleichsam zu fließen.

     Sieht man doch auch Stoffkörperchen, die aus der innersten Tiefe

Rasch nach außen hin dringen, wie Licht und Wärme der Sonne

Augenblicklich, sobald sie entbunden sind, über den ganzen

Himmelsraum sich ergießen und über die Länder und Meere

Fliegen und so mit Strömen des Lichts den Himmel erfüllen.

Wie nun vollends die Bilder, die schon in der vordersten Reihe

Stehen zur Trennung bereit und durch nichts sind behindert beim Ausflug?

Siehst du nicht, wie viel schneller und weiter sie müssen die Bahnen

Ziehn und wie vielfach größer der Raum ist, den sie durchfliegen,

Als in derselbigen Zeit die Sonnenstrahlen den Himmel?

     Auch dies scheint mir vor allem ein wahrer Erweis der Erkenntnis,

Welche geschwinde Bewegung die Bilder der Dinge entwickeln:

Stellst du ins Freie zur Nacht ein Gefäß mit spiegelndem Wasser,

Siehst du, sobald nur am Himmel die heiteren Sterne erglänzen,

Wie die Gestirne der Welt in dem Wasser sich allsobald spiegeln.

Hieraus sieht man nunmehr, wie augenblicklich das Abbild

Hoch aus dem Äthergefilde zu unserer Erde herabfällt.


 © textlog.de 2004 • 18.10.2017 18:29:56 •
Seite zuletzt aktualisiert: 14.09.2005 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright