Abwehr der Volksreligion


Freilich beschleicht mich die Furcht hierbei, als ob du vermeinest,

Gottlosen Pfad zu betreten bei diesem System und des Frevels

Weg zu beschreiten. Doch grade die übliche Religion ist's,

Die oft gottlose Taten erzeugt und Werke des Frevels.

Haben doch solchergestalt die erlesenen Danaerfürsten

An Dianens Altar, der jungfräulichen Göttin, in Aulis

Iphianassas Blut in grausamem Wahne geopfert.

Als ihr die heilige Binde die Jungfraulocken umsäumend

In gleichmäßigem Falle die Wangen beide bedeckte,

Als sie zugleich am Altar den trauernden Vater erblickte

Und ihm nahe die Diener den Mordstahl unter dem Mantel

Bargen und jammerndem Volke der Anblick Tränen entlockte,

Da sank stumm sie vor Angst auf die Knie hinab zu der Erde.

Nichts vermochte der Armen in dieser Stunde zu helfen,

Daß sie den König zuerst mit dem Namen des Vaters begrüßte.

Denn von den Fäusten der Männer ergriffen, so wurde sie zitternd

Hin zum Altare geschleppt, nicht um nach dem festlichen Opfer

Dort in dem Hochzeitszug mit Jubel geleitet zu werden,

Nein, in der Brautzeit selbst ward sie, die Unschuldige, schuldvoll

Hingeschlachtet als Opferlamm von dem eigenen Vater,

Auf daß endlich die Flotte gewinne den glücklichen Auslauf.

Soviel Unheil vermochte die Religion zu erzeugen.



Quelle: www.textlog.de

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Seite zuletzt aktualisiert: 13.09.2005 
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