Wieland, Erzählungen


[Christoph Martin Wieland:] Erzählungen. Heilbronn bei F. J. Eckenbrecht 1752. in klein 4t. 17 Bogen. Vielleicht zeigen es sogleich die lateinischen Buchstaben an, dass der Verfasser dieser Erzählungen keiner aus dem gemeinen Haufen der Dichter sein will. Er ist es auch in der Tat nicht. Eine feurige und doch sittsame Einbildung, die Sprache der Natur, Schilderungen, die nicht in Eil entworfen sondern mit Fleiß ausgearbeitet zu sein scheinen, geben ihm das Recht auf einen vorzüglichen Rang unter unsern Dichtern. Sollte aber einmal die Nachwelt sein Zeitalter nicht gleich aus gewissen transzendentalischen Ideen, aus der distillierten Zärtlichkeit, und einer mehr als thelematologischen Anatomie der Leidenschaften schließen können? Viel leicht ist es so tadelhaft nicht, als allzustrenge Kunstrichter etwa denken, wenn man mit wesentlichen Schönheiten, die ihren Glanz durch alle Jahrhunderte behalten werden, gewisse Modeschönheiten, Geburten eines flüchtigen Geschmacks, verbindet, um des Beifalls so wohl der jetzigen als folgenden Zeiten gewiß zu sein. Die rich-tigste Vorstellung, welche man von diesen Erzählungen machen kann, ist diese, wenn man sie Nachahmungen der Erzählungen des Thomsons nennt, deren Wert nach dem Werte der Originale zu bestimmen ist. Es sind derselben sechse, welche folgende Aufschriften haben: Balsora, Zemin und Gulhindy, die Unglücklichen, der Unzufriedne, Melinde, Selim. Kosten in den Vossischen Buchläden 8 Gr.



Quelle: www.textlog.de

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Seite zuletzt aktualisiert: 28.02.2006 
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