G. E. Lessings Schriften, fünfter und sechster Teil


G. Ephr. Lessings Schriften, fünfter und sechster Teil. Berlin bei Chr. Fr. Voß 1755. In 12mo. 1 Alphb. 2 Bogen. Der Verfasser hat diese Teile ohne Vorrede in die Welt geschickt. Es wird daher kein Wunder sein, wenn wir in der Geschwindigkeit nicht viel mehr davon werden sagen können, als er selbst hat sagen wollen. Sie enthalten beide Schauspiele; und zwar jeder Teil ein großes Stück in fünf Aufzügen, und ein kleines in einem Aufzuge. Das große Stück im fünften Teile heißt »Der Freigeist«. Diesen Charakter auf die Bühne zu bringen, kann so leicht nicht gewesen sein, und es wird auf das Urteil der Kenne; ankommen, ob die Schwierigkeiten glücklich genug überwunden worden. Wer nicht zu lachen genug darin findet, mag sich an dem darauf folgenden Nachspiele »Der Schatz« erholen. Wir wollen nicht entdecken, was es für eine Bewandtnis mit diesem Schatze habe, damit gewisse Kunstrichter desto zuversichtlicher sagen können, das Komische desselben falle nicht selten in das Possenhafte. Der sechste Teil fängt mit einem bürgerlichen Trauerspiele an, welches »Miss Sara Sampson« heißt. - Ein bürgerliches Trauerspiel! Mein Gott! Findet man in Gottscheds kritischer Dichtkunst ein Wort von so einem Dinge? Dieser berühmte Lehrer hat nun länger als zwanzig Jahr seinem lieben Deutschland die drei Einheiten vorgeprediget, und dennoch wagt man es auch hier, die Einheit des Orts recht mit Willen zu übertreten. Was soll daraus werden? - Das kleine Stück, welches den sechsten Teil beschließt, heißt der »Misogyn«. Der Verfasser hätte wohl können sagen der Weiberfeind. Denn ist es nicht abgeschmackt seinen Sohn Theophilus zu nennen, wenn man ihn Gottlieb nennen kann? Kostet in den Vossischen Buchläden hier und in Potsdam 16 Gr.



Quelle: www.textlog.de

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Seite zuletzt aktualisiert: 28.02.2006 
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