Der teutsche Don Quichotte oder die Begebenheiten des Marggrafen von Bellamonte


[Wilhelm Ehrenfried Neugebauer:] Der teutsche Don Quichotte oder die Begebenheiten des Marggrafen von Bellamonte, komisch und satyrisch beschrieben; aus dem Französischen übersetzt. Vier Teile. Breslau und Leipzig bei C. Gott. Meyer 1753. in 8v. 21 Bogen. Unter allen spanischen Werken des Witzes ist bei Ausländern keines bekannter geworden als der Don Quixote des unnachahmlichen Cervantes, und beinahe wird es keine Übertreibung sein, wenn St. Evremont verlangt, dass man bloß dieses Buchs wegen die spanische Sprache lernen müsse. Der unzählichen Nachahmungen ungeachtet, dieses wie jedes Original verursacht hat, ist es noch immer das vortrefflichste in seiner Art geblieben und wird gewiß nicht eher aufhören gelesen zu werden, als bis niemand in der Welt mehr Lust haben wird zu lachen. Die gegenwärtige Nachahmung ist keine von den schlechtesten; der Verfasser hat einen sehr komischen Witz, und eine Einbildungskraft, die an drolligten Bildern ungemein reich ist. Allein das Kunststück, unter denselben die ernsthafteste Moral zu verstecken, scheint er nicht in seiner Gewalt zu haben. Es ist daher ein unfruchtbares Lachen, welches er erweckt, und sehr geschickt einem Menschen, der nicht gerne umsonst lachen will, nicht selten ekelhaft zu werden. Sein Don Quixote ist ein deutscher Kaufmannsdiener, dessen Einbildung die Lesung der französischen Romane verrückt hat, so dass er nichts geringer als ein Graf zu sein glaubt, und nichts begieriger sucht als Abenteuer, die ihm seine Tapferkeit und seine edlen Gesinnungen zu zeigen Gelegenheit geben. Sein Sancho Pansa ist ein Diener, der die Einfalt selbst ist, und dem sein Herr den romanenhaften Namen du Bois gegeben hat. Seine Dulcinea ist ein gutes Dorffräulein, deren Verstand an einem gleichen Fieber krank liegt, und die sich eine Gräfin von Villa-Franka zu sein einbildet. Diese nebst einigen andern nötigen Personen, in einem Geschwätze von Abenteuern mit Räubern von nächtlichen Schrecken, von Siegen der zärtlichen Empfindungen etc. etc. gebracht, fein untereinander gerüttelt, mit einer angenehmen Schreibart versetzt, und dem Leser kapitelweise eingeträufelt, geben vier Teile komischer und satyrischer Begebenheiten, die man in den Vossischen Buchläden für 8 Gr. bekommen kann.



Quelle: www.textlog.de

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Seite zuletzt aktualisiert: 27.02.2006 
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