Identitätsphilosophie


Die Identitätsphilosophie unterschied sich nur dadurch von der Spinozischen, daß sie das tote, phlegmatische Ding der Substanz mit dem Spiritus des Idealismus begeisterte. Hegel insbesondere machte die Selbsttätigkeit, die Selbstunterscheidungskraft, das Selbstbewußtsein zum Attribut der Substanz. Der paradoxe Satz Hegels: »das Bewußtsein von Gott ist das Selbstbewußtsein Gottes«, beruht auf demselben Fundament, als der paradoxe Satz Spinozas: »die Ausdehnung oder Materie ist ein Attribut der Substanz«, und hat keinen anderen Sinn, als: das Selbstbewußtsein ist ein Attribut der Substanz oder Gottes, Gott ist Ich. Das Bewußtsein, welches der Theist im Unterschiede vom wirklichen Bewußtsein Gott zuschreibt, ist nur eine Vorstellung der Realität. Der Satz Spinozas aber: die Materie ist Attribut der Substanz, sagt nichts weiter aus, als die Materie ist substanzielle göttliche Wesenheit: ebenso der Satz Hegels nichts weiter als: das Bewußtsein ist göttliches Wesen.

 


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