Das Herz und Theologie


Das Herz galt bisher in der Philosophie für die Brustwehr der Theologie. Aber gerade das Herz ist das schlechterdings antitheologische, das im Sinn der Theologie ungläubige, atheistische Prinzip im Menschen. Denn es glaubt an nichts anderes, als an sich selbst, glaubt nur an die unumstößliche, göttliche, absolute Realität seines Wesens. Aber der Kopf, welcher das Herz nicht versteht, verwandelt, weil Trennen, Unterscheiden in Subjekt und Objekt seine Sache ist, das eigene Wesen des Herzens in ein vom Herzen unterschiedenes, objektives, äußerliches Wesen. Allerdings ist dem Herzen ein anderes Wesen ein Bedürfnis, jedoch nur ein solches Wesen, welches seinesgleichen, nicht vom Herzen unterschieden ist, nicht dem Herzen widerspricht. Die Theologie leugnet die Wahrheit des Herzens, die Wahrheit des religiösen Affektes. Der religiöse Affekt, das Herz, sagt z.B.: »Gott leidet«; die Theologie dagegen sagt: Gott leidet nicht, d.h. das Herz leugnet den Unterschied Gottes vom Menschen, die Theologie behauptet ihn.

 


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Seite zuletzt aktualisiert: 09.09.2005 
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