Für meine Söhne


Hehle nimmer mit der Wahrheit!

Bringt sie Leid, nicht bringt sie Reue;

Doch, weil Wahrheit eine Perle,

Wirf sie auch nicht vor die Säue.

 

Blüte edelsten Gemütes

Ist die Rücksicht; doch zuzeiten

Sind erfrischend wie Gewitter

Goldne Rücksichtslosigkeiten.

 

Wackrer heimatlicher Grobheit

Setze deine Stirn entgegen;

Artigen Leutseligkeiten

Gehe schweigend aus den Wegen.

 

Wo zum Weib du nicht die Tochter

Wagen würdest zu begehren,

Halte dich zu wert, um gastlich

In dem Hause zu verkehren.

 

Was du immer kannst, zu werden,

Arbeit scheue nicht und Wachen;

Aber hüte deine Seele

Vor dem Karrieremachen.

 

Wenn der Pöbel aller Sorte

Tanzet um die goldnen Kälber,

Halte fest: du hast vom Leben

Doch am Ende nur dich selber.


 © textlog.de 2004 • 12.12.2017 16:45:12 •
Seite zuletzt aktualisiert: 10.09.2005 
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