Gedanke und Sein bei Hegel


Die Hegelsche Philosophie ist die Aufhebung des Widerspruches von Denken und Sein, wie ihn insbesondere Kant ausgesprochen, aber wohlgemerkt! nur die Aufhebung dieses Widerspruches innerhalb des Widerspruches - innerhalb des einen Elementes - innerhalb des Denkens. Der Gedanke ist bei Hegel das Sein; - der Gedanke das Subjekt, das Sein das Prädikat. Die Logik ist das Denken im Element des Denkens oder der sich selbst denkende Gedanke - der Gedanke als prädikatloses Subjekt oder der Gedanke, der zugleich Subjekt, zugleich das Prädikat von sich ist. Das Denken aber im Element des Denkens ist noch abstraktes; es realisiert, es entäußert sich daher. Dieser realisierte, entäußerte Gedanke ist die Natur, überhaupt das Reale, das Sein. Was ist aber das wahre Reale in diesem Realen? Der Gedanke - welcher darum auch alsbald das Prädikat der Realität wieder von sich abstreift, um seine Prädikatlosigkeit als sein wahres Wesen herzustellen. Aber deswegen ist Hegel nicht zum Sein als Sein, zum freien, selbständigen, in sich selber glücklichen Sein gekommen. Hegel hat die Objekte nur gedacht als Prädikate des sich selbst denkenden Gedankens. Der nun eingestandene Widerspruch zwischen der seienden und gedachten Religion in der Hegelschen Religionsphilosophie kommt nur daher, daß auch hier, wie anderwärts, der Gedanke zum Subjekt, der Gegenstand, die Religion aber zu einem bloßen Prädikat des Gedankens gemacht wird.

 



Quelle: www.textlog.de

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Seite zuletzt aktualisiert: 09.09.2005 
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