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Friedrich Schlegel  
(1772-182)


Schlegel, Friedrich, geb. 1772 in Hannover, gest. 1829 in Dresden, der berühmte Romantiker, 1796 Privatdozent in Jena, 1799 in Berlin, 1800 wieder als Dozent in Jena, wo er mit seinem Bruder August das »Athenaeum« (1798-1800) herausgab und bis 1802 verweilte, hielt dann Vorlesungen in Dresden und Paris, trat zum Katholizismus über, hielt in Wien Vorträge, später in Dresden, wo er 1829 starb.

Schlegel ist als philosophischer Denker (außer von Goethe) zunächst von Fichte beeinflußt, dessen Idealismus er aber im Sinne eines ästhetischen Individualismus (Ästhetizismus) modifiziert. Das absolute Ich ist vom endlichen Ich nicht zu scheiden. Dieses, das empirische Subjekt, das künstlerische Genie insbesondere, ist der freie Schöpfer seiner Phantasiegebilde, über die es sich in romantischer Ironie selbst hinwegsetzen kann, sich immer wieder selbst überwindend (vgl. Nietzsche). In der »Ironie« erhebt sich das Ich über alles Bedingte, auch über die eigene Kunst, Tugend oder Genialität, es gibt sich keiner Sache so hin, daß es diese Hingabe ernst nehmen würde. Das Ich kennt kein anderes Gesetz als das seines wechselnden Willens, es läßt sich innerlich nicht binden, ist schrankenlos. Der wahre Mensch ist der Künstler; in ihm, dem Genie, spricht die Gottheit. Wahre Tugend ist Genialität. Für das Genie tritt der Genuß an die Stelle der Arbeit.

Später in den »Philosophischen Vorlesungen« (1804-1806), rückt Schlegel von diesem Subjektivismus ab und wendet sich einem (von Schelling, Böhme, Baader u. a. beeinflußten) pantheistischen Idealismus zu, nach welchem das »Welt-Ich« die einzige Realität ist. In seiner spiritualistischen »Philosophie des Lebens« betrachtet Sch. das Wissen als höheres Erfahrungswissen, welches auf der Offenbarung Gottes in der Natur und im Gewissen beruht. Das Unendliche ist werdend, ist Leben. Raum und Zeit sind Produkte des göttlichen Seins. Die Gesetze der Natur haben ihren Grund in einer »absoluten göttlichen Willkür«. Die Weltgeschichte deutet Schlegel theologisch als zwischen Sündenfall und Erlösung eingeschlossen. »Die Geschichte ist eine göttliche Epopoee und der Geschichtsschreiber selbst ein rückwärtsgekehrter Poet oder Prophet«.

 

Schriften (philos): Lucinde 1799 (Roman). - Athenaeum, 1798-1800 (enthalten die »Fragmente«). - Philosophische Vorlesungen aus den Jahren 1803-1806, hrsg. 1836. - Vorlesungen über Philosophie der Geschichte, 1829. - Philosophische Vorlesungen, insbesondere über Philosophie der Sprache und des Wortes, 1830. - Fragmente, hrsg. von F. v. d. Leyen, 1904. - Werke, 10 Bde., 1822-25; 15 Bde., 1846. - Vgl. HAYM, Die romantische Schule, 1870. - LERCH, Schlegels philosophische Anschauungen, 1905. - LEDERBOGEN, Schlegels Geschichtsphilosophie, 1908.



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(Aus: Rudolf Eisler (1876-1927): Philosophen-Lexikon. Leben, Werke und Lehren der Denker, 1912)


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Seite zuletzt aktualisiert: 25.10.2006