[Die wirtschaftlichen Nachteile der Beschränktheit in den verschiedenen Berufen. Auf die Dummheit rechnende Spekulationen.]


Ein Sprichwort sagt zwar: die Dummen haben das Glück; soweit sich dieses jedoch auf materielle Verhältnisse bezieht, trifft der Satz nur für Ausnahmsfälle zu. Im allgemeinen verknüpft sich das, was man Glück gewöhnlich nennt, weit häufiger mit der Intelligenz als mit der Beschränktheit und zwar aus dem naheliegenden Grund, weil der Beschränkte nur durch Zufall gewinnen kann, was der Intelligente durch kluge Berechnung erreicht. Der beschränkte Arbeiter ist weniger leistungsfähig als der intelligente; er findet deshalb weniger leicht Beschäftigung und erzielt auch nur geringeren Verdienst. Beschränktheit hält auch zahlreiche Arbeiter davon ab, sich den Organisationen anzuschließen, die auf Verbesserung ihrer Lohnverhältnisse hinarbeiten. Der wenig begabte kaufmännische Gehilfe mag in untergeordneter Stellung für mehr mechanische Dienstleistungen sich genügend qualifizieren; zur selbständigen Tätigkeit ist er nicht befähigt und daher gewöhnlich außerstande, einen besser bezahlten Posten zu erlangen. Der beschränkte Kaufmann ist zumeist nur imstande, ein kleines Geschäft in einer Weise zu führen, die einen sicheren Ertrag ermöglicht1); läßt er sich in größere Unternehmungen ein, so kommt er infolge seiner Urteilsschwäche allzu leicht zu Schaden. Selbst der Besitz eines größeren Vermögens vermag ihn oft nicht vor dem Schiffbruche zu bewahren, da er infolge seiner Unfähigkeit, Personen und Verhältnisse richtig zu taxieren, Übervorteilungen der verschiedensten Art ausgesetzt ist. Daß die Beschränktheit auf dem Lande ungeheuer oft eine Quelle bäuerlicher Mißwirtschaft ist, unterliegt ebenfalls keinem Zweifel. Die Beschränktheit verknüpft sich sehr gerne mit einer Sorglosigkeit in betreff der Zukunft, die verderblich wird. Das Erträgnis günstiger Jahre wird verbraucht, zum Teil im Wirtshaus verpraßt, während für den Ausfall in schlimmen Jahren ein Reservefond geschaffen werden sollte. Von einer Versicherung gegen Hagelschlag, Viehkrankheiten etc. wird abgesehen, selbst die Versicherung gegen Feuersgefahr in ganz unzulänglicher Weise betätigt. Diese Sorglosigkeit führt in vielen Fällen zu schwerer Schädigung, selbst zum Ruin der wirtschaftlichen Existenz der Betreffenden. Die ungünstige Situation der Beschränkten auf wirtschaftlichem Gebiet wird noch dadurch verschlimmert, daß von vielen Seiten auf die Dummheit geradezu spekuliert und die Ausnützung derselben in gewissenlosester Weise betrieben wird. Man kann sich ein Bild davon verschaffen, wenn man ein Zeitungsblatt mit vielen Inseraten zur Hand nimmt. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb hat zwar der Übervorteilung der Dummen durch unberechtigte Anpreisungen in den Zeitungen gewisse Schranken gesetzt, dieselbe jedoch keineswegs zu unterdrücken vermocht.

 

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1) Es gibt auch Ausnahmen in dieser Beziehung. Vergleiche S. 18.


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