[Kombination der Dummheit mit höheren Graden von Suggestibilität. Dummheit und Eigensinn (verbohrte Dummheit). Dummheit und Leichtsinn.]


Bei intelligenteren Personen nimmt die Eitelkeit nicht jene grotesken Formen an, in denen sie sich bei Beschränkten nicht selten präsentiert. Bemerkenswert ist aber, daß selbst manche unserer größten Geister von dieser Schwäche nicht ganz frei waren; dies war z. B. bei Schopenhauer und Goethe der Fall. Die geringe Anerkennung, die Goethes Leistungen auf dem Gebiet der Naturforschung zu teil wurde, bedrückte ihn sehr und er fand in seinem unbestrittenen Dichterruhme keine Entschädigung.

Beachtenswert sind ferner noch einige intellektuelle Typen, welche durch Kombination der Dummheit mit anderen geistigen Eigentümlichkeiten entstehen. Die Verbindung der Dummheit mit höheren Graden von Suggestibilität (Beeinflußbarkeit) führt zu einer geistigen Unselbständigkeit, welche das Individuum nötigt, in seinem Denken und Handeln sich dem Urteile und Willen anderer blind zu unterwerfen. Derartige Individuen können begreiflicherweise als gefügige Werkzeuge zu den verschiedensten Zwecken ge- und mißbraucht werden, und es hängt lediglich von dem Charakter derjenigen ab, in deren Hände sie geraten, welche Wege sie einschlagen. Dies erklärt es, daß mitunter Personen sich an Verbrechen beteiligen, oder zur Ausführung solcher gebrauchen lassen, deren Charakter und Lebensführung keine Neigung zu derartigen Handlungen zu verraten scheinen1).

Das Gegenstück zu der erwähnten Variante bildet die Kombination von Dummheit und Eigensinn, die verbohrte Dummheit. Die Repräsentanten dieser Variante sind unfähig, sich durch vernünftige Erwägungen beeinflussen zu lassen, ihre Irrtümer und Vorurteile abzustreifen. Sie halten an einer Idee, einem Plan fest, wenn ihnen auch dessen Durchführung zum offenbaren Schaden gereicht. Das Vergnügen, ihren eigenen Willen durchzusetzen, sich keinem anderen unterzuordnen, erweist sich für ihr Handeln bestimmender, als die Erwägung der Folgen.

Schwerwiegend für das Individuum und dessen Familie ist in vielen Fällen die Kombination von Dummheit und Leichtsinn. Dummheit führt an sich noch nicht notwendig zu Leichtsinn. Ein beschränkter Mensch kann, wenn er die richtige Erziehung genossen und in einem günstigen Milieu sich befindet, sparsam und arbeitsam sein und sich von jedem törichten Streiche fernhalten. Nicht selten aber gesellt sich, und zwar insbesondere infolge mangelhafter Erziehung und schlimmer Gesellschaft, zu der Beschränktheit der Leichtsinn, der die Pflichten des Berufs und der Lebensstellung vergessen und die sinnlosesten Handlungen begehen läßt. Wir begegnen dem Leichtsinn nicht nur beim Beschränkten, sondern auch bei wohlbegabten, selbst intellektuell sehr hochstehenden Menschen, insbesondere jugendlichen Alters. Der intellektuell gut Veranlagte ist jedoch weit mehr in der Lage, die Folgen seines Handels zu überblicken, als der Beschränkte, und so begreift es sich, daß der Leichtsinn um so verhängnisvollere Folgen nach sich zieht, je weniger begabt das Individuum ist. Sinnlose Verschleuderung des Vermögens durch Spiel, Gelage, Unterhaltung von Maitressen, Schuldenmachen, Vernachlässigung des Berufs, Rücksichtslosigkeit gegen Eltern und andere Angehörige, auch manche fahrlässige Schädigung von Gesundheit und Leben anderer, ebenso auch schwerwiegende kriminelle Akte (Unterschlagungen, Wechselfälschungen etc.) gehören in dieses Gebiet.

 

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1) S. weiteres hierüber in dem Abschnitte "Dummheit und Kriminalität".


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Seite zuletzt aktualisiert: 10.12.2009 
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