Romanze vom Ritter Ossa Sepia


»Ossa Sepia, Ossa Sepia,

Schlanker Ritter, kühn und edel,

Hast in dem gelobten Lande

Du zerhaun viel Türkenschädel.«

 

Jetzo zieht er nach der Heimat,

Nach der Heimat geht sein Trachten;

Doch in Zons am grünen Rheine

Will der Ritter übernachten.

 

Hoch zu Roß mit seinen Knappen

Vor der Burg begehrt er Einlaß,

Und der Wächter auf der Zinnen

Denkt verwundert: Wer mag sein das?

 

Stößt ins Horn mit lautem Schalle,

Daß die alten Fenster zittern,

Fraget dann vom Turm herunter

Nach den Namen von den Rittern.

 

»Ossa Sepia, Ossa Sepia,

Schlanker Ritter, kühn und ädel,

Hat in dem gelobten Land

Zu Brei zerhaun viel Türkenschädel.«

 

Und dem Burgherrn ist's verkündet,

Tor ist krachend aufgegangen,

In dem hohen Rittersaale

Hat der Burgherr ihn empfangen.

 

Ossa Sepia bei der Tafel

Kündet flammend seine Taten,

Und als gält es Türkenschädel,

Haut er in den Schweinebraten.

 

In den Schweinebraten haut er,

Doch die schöne Kunigunde,

Kunigunde, die kredenzt den

Becher ihm mit höhn'schem Munde.

 

Bleich erscheint der Ritter morgens. -

Sorglich tät der Burgherr fragen:

»Edler Ritter, sprecht, was fehlt Euch?«

»Bitte sehr, hat nichts zu sagen.«

 

Und dann setzt er sich zum Frühstück

Mit gar kläglicher Tournüre.

Plötzlich: »Bitte um Entschuldigung!«

Ruft's, stürzt ängstlich aus der Türe.

 

Kommt er wieder, schaut er wirre

Auf zur schönen Kunigunde. -

Kunigunde doch kredenzt den

Becher ihm mit höhn'schem Munde.

 

Boshaft lachend denkt das Fräulein:

Schlanker Ritter, kühn und ädel,

Hast in dem gelobten Lande

Wohl zerhaun viel Türkenschädel.

 

Traun, du liebst mich wohl? So denkt die

schöne, stolze Kunigunde;

Kunigunde, die den Becher

Ihm kredenzt mit höhn'schem Munde.

 

Ossa Sepia, Ossa Sepia,

Wie so bleich ziehst du von hinnen.

Kunigunde, Kunigunde

Stehet stolz auf Turmes Zinnen.

 

Vor dem Burgtor läßt er halten.

Kläglich zieht er aus der Tasche -

Himmel, will er sich vergiften! -

Eine kleine, runde Flasche.

 

Ha! Er trinkt! Er fährt zusammen!

Reibt den Magen! Sieht gen Himmel!!!

»Wahrlich«, spricht er, »ich muß sagen,

Das ist ganz famoser Kümmel!«

 

»Jetzo, denk' ich, wird es besser.

Auf, ihr Knappen, rasch von hinnen!«

Spricht's und sprengt davon. Verwundert

Steht das Fräulein auf der Zinnen.


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Seite zuletzt aktualisiert: 17.09.2005 
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