Recherches philosophiques. Fondeés par A. Koyré, H.-Ch. Puech, A. Spaier. Bd. 4, 1934. Paris: Boivin et Cie., Editeurs, 1935. VI, 530 S.


Der vorliegende Sammelband ist der vierte der unter dem Titel »Recher­ches philosophiques« veröffentlichten. Der Vorzug dieser Jahrbücher, die seit 1932 erscheinen, ist, die französische Philosophie in internationalem Rahmen zu zeigen. Früher geschah das mit Hilfe eingehender Referate über die Philosophie des Auslandes (Deutschland wurde u.a. von Dubislav bearbeitet). Im vorliegenden Bande ist die Rubrik »Ausländische Philosophie« fortgefallen; aber gerade der Zusammenhang mit der deutschen Forschung ist nicht beeinträchtigt worden. So behandelt die kritische Bibliographie, die ein Drittel des Gesamtumfangs einnimmt, in der Rubrik »Sozialwissenschaften« aus­schließlich deutsche Bücher. Weiterhin hat man im bibliographischen Teil dem phänomenologischen Schrifttum einen besonderen Abschnitt vorbehalten. Und auch er behandelt, wie das nicht überraschen kann, ausschließlich deutsche Neuerscheinungen. Besonders sind die an Scheler sowie die an Heidegger anschließenden anthropologisch interessierten Autoren berück­sichtigt. – Den Abhandlungsteil eröffnet der Beitrag des Mitherausgebers A. Spaier über die »Komplexe des Individualismus und der Hingabe sowie deren Wurzel in den Instinkten«. Führt die anthropologische Orientierung, die gegenwärtig das französische Denken fühlbar beeinflußt, bei Spaier in die Richtung der Charakterologie, so zeigt sie sich in Caillois' »Analyse und Kom­mentar eines Beispiels freier Ideenassoziation« psychoanalytisch bestimmt. Verwandte Interessen kennzeichnen den wertvollen Beitrag Klossowskis »Das Böse und die Verleugnung des Nebenmenschen in der Philosophie des Marquis de Sade«. In anderen Beiträgen, die sich mit dem Problem der Geschichtlichkeit auseinandersetzen, prägt sich die ontologisch und metaphysisch bestimmte Richtung der Anthropologie aus. Hierher gehören an erster Stelle Sterns »Interpretation des Aposteriori« und Weils Beitrag »Über das Interesse an der Geschichte«, die erste um den Begriff der Erfahrung, der zweite um den der ratio zentriert. A. Marcis Arbeit »Die Zeit und die Person« gründet in einem Idealismus, der von Heideggerscher Prägung noch frei und dem Spiritualismus verwandt ist. Der Aufsatz berührt sich in der Fragestellung mit Minkowskis Buch »Le temps vécu«. Dieser hat zum vorliegenden Band »phänomenologische Untersuchungen« beigesteuert. – Unter den historischen Beiträgen sind neben der erwähnten Studie zu Sade an erster Stelle Groethuysens Mitteilungen aus Diltheys Nachlaß, sowie Löwiths Untersuchung über »Hegel, Marx und Kierkegaard« zu nennen, die einer kritischen Haltung zu anthropologischer Philosophie förderlich sind.


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