1. Freude.


Beim Affekt der Freude sehen wir deutlich die Verbindung. Sie verträgt die Isolierung nicht. In ihren Äußerungen: Aufsuchen der anderen, Umarmung usw., zeigt sich der Hang zum Mitspielen, zum Mitteilen und Mitgenießen. Auch die Attitüde ist verbindend, es ist sozusagen ein Händereichen, eine Wärme, die auf den andern ausstrahlt und ihn ebenfalls erheben soll. Alle Elemente zum Zusammenschluß sind in diesem Affekt vorhanden. Auch hier fehlt die aufsteigende Linie nicht, auch hier haben wir einen Menschen, der aus einem Gefühl der Unzufriedenheit zu einem Gefühl der Überlegenheit gelangt. Die Freude ist eigentlich der richtige Ausdruck für die Überwindung von Schwierigkeiten. Hand in Hand mit ihr geht das Lachen in seiner befreienden Wirkung, gleichsam den Schlußstein dieses Affektes darstellend. Es weist über die eigene Persönlichkeit hinaus und wirbt um die Sympathie des andern.

Auch hier gibt es Erscheinungen des Mißbrauchs, die durch das Wesen eines Menschen bedingt sein können. Bei einem Patienten, der bei der Nachricht vom Erdbeben von Messina deutliche Zeichen von Freude äußerte und laut auflachte, zeigte es sich nach näherer Untersuchung, daß er eigentlich lachte, weil er das Gefühl der Kleinheit in der Trauer in sich nicht aufkommen lassen und der Trauer dadurch aus dem Weg gehen wollte, daß er versuchte, sich dem anderen Affekt zu nähern. Ein besonders häufiger Mißbrauch ist die Schadenfreude, eine Freude, die am unrechten Ort auftritt, die sich über das Gemeinschaftsgefühl hinwegsetzt und es verletzt. Sie ist bereits ein trennender Affekt, mittels dessen jemand seine Überlegenheit über den andern sucht.


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