2. Denk- und Ausdrucksweise.


Die Denk- und Ausdrucksweise mancher Menschen macht zuweilen einen so plastischen Eindruck, daß wir darüber nicht hinweggehen können. Denken und Sprechen ist bei diesen Menschen »in spanische Stiefel eingeschnürt«, sie denken und sprechen fortwährend in bekannten Schablonen, so daß man immer schon im vorhinein weiß, wie sie sich ausdrücken werden. Man kennt diesen Ton aus oberflächlichen Zeitungsberichten und schlechten Romanen. Es ist eine Phrasenhaftigkeit, vergleichbar einem Strauß von nicht sehr schönen Blüten. Man hört die Ausdrücke wie »Abrechnung halten«, »Lewiten lesen« oder von einem »Dolchstoß«, der einen getroffen hat, Fremdworte aller Art u. dgl.

Diese Art der Ausdrucksweise ist ebenfalls geeignet, uns einen Beitrag zum Verständnis eines Menschen zu liefern. Denn es gibt Denkformen und Redensarten, die man nicht gebrauchen soll oder darf. Die ganze Banalität des schlechten Stils klingt darin wieder und erschreckt manchmal sogar den Redner selbst. Es zeugt daher von wenig Einfühlung in Urteil und Kritik des andern, wenn man ihm ununterbrochen etwa Sprichworte vorsetzt oder für alles, was man denkt und sagt, ein Zitat zur Hand hat. Es gibt viele Menschen, die von dieser Art zu sprechen nicht loskommen können und dadurch ihre Rückständigkeit bezeugen.


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