Hans Sebald Beham

Beham, Hans Sebald, ein Neffe des Vorigen, geb. 1500 zu Nürnberg, bildete sich unter seinem Oheim und später unter Albrecht Dürer zum Maler und Kupferstecher aus. Um 1540 verließ er seine Vaterstadt, angeblich wegen seines anstößigen Lebenswandels daraus vertrieben, und siedelte nach Frankfurt über, wo er als Wirt eines liederlichen Hauses, der damaligen Sitte gemäß, ertränkt worden sein soll.  

Trotz dieses, ihm von seinen Biographen zum Vorwurf gemachten ausschweifenden Lebens, malte, stach und zeichnete Beham eine Menge von Werken und beurkundete sich in allen als ein äußerst tüchtiger Künstler. Seine Gemälde sind indessen sehr selten. Man kennt von ihm nur ein mit außerordentlicher Kunstfertigkeit für den Kardinal Albrecht von Brandenburg, Kurfürsten und Erzbischof von Mainz, ausgeführtes miniaturartiges Ölgemälde, in der Form eines Tisches und in vier Abteilungen, Szenen aus der Geschichte Davids darstellend, mit der Jahrszahl 1534, dem Monogramm und dem eigenen Bildnis des Künstlers in ganzer Figur, im Louvre zu Paris. Dasselbe enthält eine Menge kleiner, ungemein geistreich erfundener und höchst lebendiger, sehr wohl gezeichneter, im Zeitkostüm mit vielem Geschmack gekleideter Figuren in reichen Landschaften, verrät in einzelnen Zügen das derb humoristische Naturell des Künstlers und zeichnet sich durch eine ganz vortreffliche Färbung aus. Auch von seinen Miniaturgemälden haben sich nur fünf in einem 1531 für denselben Kardinal Albrecht gemalten Gebetbuch (gegenwärtig auf der Hofbibliothek zu Aschaffenburg, abgebildet in der Beschreibung der Miniaturen auf der Hofbibliothek zu Aschaffenburg, von J. Merckel) erhalten. Sie stellen: die Beichte, die Busse, den Anfang und das Ende der Messe und die Kommunion dar und sind genial erfunden und trefflich ausgeführt.  

Seine Kupferstiche zeigen eine geistvolle Auffassung und feine Beobachtung, sowohl der komischen als der ernsten und edlen Seite der Natur, wie man an seinen originellen Bauernszenen, gleichwie an seinen Heiligenbildern beobachten kann. Im Stil der Darstellung erreicht er nicht selten seinen Vetter Barthel, nach dessen Blättern er fleißig studierte, wie er überhaupt an Zartheit, Sauberkeit und Präzision von keinem der nachfolgenden kleinen Meister übertroffen wurde. — Er lieferte auch viele Zeichnungen zu Holzschnitten, dass er aber selbst in Holz geschnitten ist nicht erwiesen.  

Hans Sebald Beham bezeichnete seine zu Nürnberg verfertigten Blätter mit einem P, die zu Frankfurt ausgeführten mit einem B. Man kennt von ihnen 262, von denen die vorzüglichsten sind: die Geduld (1540); die Melancholie (1539); die Geschichte des verlorenen Sohnes (in 4 Blättern); ein Narr mit zwei Verliebten; das Wappen mit dem Hahn; die Monate (in 7 Blättern); das Wappen des H. S. Beham; das Unglück; das Glück (1520); die Nacht (1548); der heilige Sebaldus (1521); die Bauernhochzeittänzer in 12 Blättern (1546); die junge Frau und der Schalksnarr (1540); Trajans Gerechtigkeit (1537). Von den nach seinen Zeichnungen gefertigten Holzschnitten werden besonders hervorgehoben: die Dorfkirchweih; der Brunnen der Jugend; ein Soldatenzug.  

 

Literatur. Bartsch, Le Peintre graveur. — Heinecken, Dictionnaire des artistes. — Waagen, Kunstwerke und Künstler in Paris. — Waagen, Kunstwerke und Künstler in Deutschland.


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