Ethik - Platon, Aristoteles


In den Sprüchen der »sieben Weisen« beschränkt sich das Ethische auf einfache Lebensregeln, Klugheitsmaximen. Die Pythagoreer wenden den Maß- und Harmoniebegriff (s. d.) auch auf das Handeln des Menschen an. HERAKLIT betrachtet als ethisch die Unterordnung der Individuen unter die Gesetze der Allgemeinheit. DEMOKRIT sieht in der Glückseligkeit (s. d.) das höchste Gut und legt Wert auf die sittliche Gesinnung (agathon ou to mê adikein, alla to mê ethelein, Stob. Floril. IX, 3). Die Sophisten betonen (teilweise) die Relativität des Sittlichen, begründen den ethischen Skeptizismus (s. d.); PROTAGORAS macht davon eine Ausnahme. SOKRATES betont die Allgemeingültigkeit der Moral, er ist der Begründer der Ethik (Sôkratês ho tên êthikên eisagagôn Diog. L. Prooem. 14). Der Mensch und sein Handeln sind ihm wichtiger als die Natur (ARISTOTELES, Met. I 6, 987 b). Seine Ethik ist intellektualistisch - die Tugend (s. d.) ist ein Wissen - und eudämonistisch - das Gute (s. d.) ist das Zweckvolle. Die Kyniker (s. d.) sind Eudämonisten, so auch die Kyrenaiker (s. d.). PLATO überwindet den Eudämonismus durch den Begriff des »Guten an sich« (s. d.). ARISTOTELES begründet die Ethik systematisch (Nikom. Eth.), ist Eudämonist, aber ein solcher, der die Glückseligkeit auf das der Seele und der Vernunft gemäße Leben bezieht (s. Tugend). Die Ethik ist eine praktische, erziehende Wissenschaft (hin' agathoi ginômetha Eth. Nic. II 2, 1103b 26 squ.). Die Stoiker verlegen die Sittlichkeit in das natur- und vernunftgemäße Leben, der Begriff der Pflicht (s. d.) wird betont. Die Ethik handelt vom Begehren, vom Guten und Bösen, von den Affekten und deren Beherrschung, von der Tugend und Pflicht (Diog. L. VII 1, 84; Stob. Ecl. II, 6) Eine eudämonistische (zugleich auch social-utilitaristische) Ethik lehren die Epikureer (s. d.). Das êthikon handelt peri haireseôs kai phygês peri hairetôn kai pheuktôn kai peri biôn kai telous (Diog. L. X' 30). Die Neuplatoniker haben eine mystische Ethik, die zur Reinheit der Gesinnung, zur Vergottung antreibt.

Die (ur-)christliche Ethik ist theologisch, altruistisch, asketisch veranlagte Liebesmoral. Die Kirchenväter und die Scholastiker bilden diese Ethik, unter dem Einflusse platonisch-aristotelischer Lehren aus. ABAELARD betont die gute Gesinnung, THOMAS die Tugenden (s. d.) und das Gewissen, »scientia ethica« findet sich bei ihm (3 sent. 23, 1, 4, 2c). DUNS SCOTUS unterscheidet natürliches und göttliches Sittengesetz (In lib. sent. 3, d. 37, qu. 1). Die Lehre von der »Synteresis« (s. d.) spielt in der mittelalterlichen Ethik eine Rolle. Nach Vergottung streben die Mystiker.

In der Renaissanceethik kommen stoische (und epikureische) Elemente wieder zur Geltung. So auch bei DESCARTES und SPINOZA. Auf den Selbsterhaltungstrieb gründen die Moral TELESIUS, HOBBES, auf den Nutzen F. BACON, auf die Demut (humilitas) GEULINCX. Die Ethik ist ihm Tugendlehre (Eth. I, C. 1, § 1; vgl. p. 161). Ethisches Prinzip ist: »Ubi nihil vales, ibi nihil velis, seu nihil frustra ferendum est« (l.c. p. 164).


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