Ethik - Bentham, Mill, Wundt


Den neueren Utilitarismus (s. d.) begründet J. BENTHAM. Nach ihm ist die Ethik »the art of directing men's actions to the production of the greatest possible quantity of happiness, on the part of those whose interest in the view«. »Private ethics« = »the art of self-government« (Introd. II, ch. 17, p. 234). (Sozialer) Utilitarier ist J. ST. MILL (für die Entstehung des Sittlichen, B. d.), ferner SIDGWICK, der zugleich Intuitionist ist; Aufgabe der Ethik ist »to render scientific the apparent cognitions that most men have of the rightness or reasonableness of conduct« (Meth. of Eth.3, 71); ferner v. GIZYCKI (Moralphil. S. 1) u. a. Biologisch-evolutionistisch ist die Ethik von CH. DARWIN (Abst. d. Mensch. C. 4), H. SPENCER. Nach ihm ist Ethik »die Wissenschaft vom guten Handeln«, entscheidet, »wie und warum gewisse Handlungen verderblich und gewisse andere wohltätig sind«. Hauptaufgabe der Moralwissenschaft ist, »aus den Gesetzen des Lebens und den Existentialbedingungen abzuleiten, welche Arten des Handelns notwendigerweise Glück und welche Unglück zu erzeugen streben« (Princ. d. Eth. I 1, § 21). Ferner J. FISKE (The destiny of Man 1884), S. ALEXANDER (Moral Order and Progress 1889), WILLIAMS (Evolutional Ethics 1893), LESLIE STEPHEN (The Science of Ethics 1882/1893), CARNERI. Er versteht unter Ethik »die Zusammenfassung der letzten Resultate der gesamten philosophischen Wissenschaften in ihrer Anwendung aufs praktische Leben, auf die Gesittung überhaupt. Während die Moralphilosophie bestimmte Sittengesetze aufstellt und zu halten befiehlt, damit der Mensch sei, was er sein soll, entwickelt die Ethik den Menschen, wie er ist, darauf sich beschränkend, ihm zu zeigen, was noch aus ihm werden kann« (Sittl. u. Darwin. S. l). Die Entwicklungsethik von A. TILLE ist ganz biologisch (Von Darwin bis Nietzsche). Evolutionistisch ist auch die Ethik von H. HÖFFDING. Die Ethik hat zwei Aufgaben: a. die historische oder vergleichende, b. die philosophische der Wertschätzung auf Grundlage der biologisch-psychologisch-sozialen Natur des Menschen (Ethik2, S. 8 ff.). Die »positivistische Ethik« von E. LAAS will den psychologischen und geschichtlichen Ursprung der moralischen Gesetze und die Richtung ihrer Fortbildung zeigen (Ideal. u. Posit. II). Die »positive Ethik« von G. RATZENHOFER entnimmt das Seinsollende »der Natur des Menschen und der Socialgebilde, fußend auf den Naturgesetzen« (Posit. Eth. S. 22). Sie bedient sich der evolutionistischen Methode (l.c. S. 31). Nach UNOLD hat die Ethik 1) »eine auf vernünftiger Einsicht beruhende Lebensanschauung zu begründen, die imstande ist, das sittliche Leben und Streben eines Volkes zu tragen und zu fördern«, 2) »die Gesichtspunkte, Regeln und Methoden für eine richtige, tüchtige und würdige Lebensführung zu untersuchen und auszuarbeiten« (Grundleg. f. e. mod. pr.-eth. Lebensansch. S. 47). Die Ethik hat eine biologische, evolutionistische Basis (l.c. S. 60 ff.). Evolutionisten sind auch G. SIMMEL (Einl. in d. Moralwiss. 1892 - 93), W. STERN (Krit. Grundleg. d. Eth. 1897), JODL.

Einen evolutionistischen Universalismus (universalen Evolutionismus) lehrt E. v. HARTMANN (Phänom. d. sittl. Bewußts.; Soziale Kernfrage). In anderer Weise WUNDT. Die Ethik ist normativ, sofern sie ihre Objekte »mit Rücksicht auf bestimmte Regeln, die an ihnen zum Ausdruck gelangen«, betrachtet (Eth.2, Einl.). Jedes Einzelwollen muß sich einem Gesamtwillen als realer sittlicher Macht unterwerfen (l.c. S. 432). Das Sittliche entwickelt sich, und die geistige Höherentwicklung selbst ist der Inhalt des Sittlichen (s. d.).


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