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I. [Logische Möglichkeit einer von allem Substanzwert unabhängigen Geldfunktion]

 

Gewiß würde unter Voraussetzung eines an sich wertlosen Geldes der einzelne Geldpreis ganz beziehungslos neben der Ware stehen, deren Wert er ausdrücken soll, wenn sich die Betrachtung auf diese beiden Momente beschränkte; man würde nicht wissen, woraufhin das eine Objekt einen um ein ganz Bestimmtes höheren oder niederen Preis bedingen sollte, als ein anderes. Sobald aber, als absolute Voraussetzung dieser ganzen Relation die Summe alles Verkäuflichen der Summe alles Geldes - in einem nachher zu erörternden Sinn der »Summe« - äquivalent gesetzt wird, ergibt sich die Preisbestimmtheit jeder einzelnen Ware einfach als der Bruch zwischen ihrem Wert und jenem Totalwert, der sich als der Bruch zwischen ihrem Preis und dem Gesamtgeldquantum wiederholt. Dies enthält, worauf ich nochmals hinweise, keineswegs den Zirkel: daß die Fähigkeit einer bestimmten Geldsumme, den Wert einer einzelnen Ware zu messen, auf das Gleichungsverhältnis alles Geldes mit allen Waren gegründet wird, dieses selbst ja aber schon die Meßbarkeit des einen am anderen voraussetze; die Frage, ob jede Messung eine Wesensgleichheit zwischen dem Objekt und dem Maßstab fordere, würde so freilich den konkreten Fall nicht mehr treffen, um aber an der Voraussetzung desselben ungelöst haften zu bleiben. Tatsächlich indes ist eine Messung relativer Quanten daraufhin möglich, daß ihre absoluten Quanten in irgendeinem Verhältnis stehen, welches nicht Messung oder Gleichheit zu sein braucht. Gewiß besteht zwischen der Dicke eines Eisenrohres und einer bestimmten Wasserkraft keine Gleichheit und Messungsmöglichkeit; allein, wenn beide integrierende Teile eines mechanischen Systems mit einem bestimmten Krafteffekt bilden, so kann ich, wenn eine gewisse Modifikation dieses letzteren gegeben ist, unter Umständen an der mir bekannt werdenden Änderung der Wasserkraft genau ermessen, welches der Durchmesser des in dem System verwendeten Rohres ist. So mögen Waren überhaupt und Geld überhaupt aneinander nicht meßbar sein; es würde genügen, daß sie beide für das Leben des Menschen eine gewisse Rolle innerhalb seines praktischen Zwecksystems spielen, damit die quantitative Modifikation des einen den Index für die des anderen abgäbe. Zu dieser Reduzierung der Bedeutung jedes Geldquantums als solchen auf einen Bruch, der es noch ganz dahingestellt sein läßt, von welcher absoluten Größe er diesen bestimmten Teil ausmacht, ist es nicht ohne Beziehung, daß die Römer ihre Münzen - mit einer besonders begründeten Ausnahme - nicht nach der absoluten, sondern der relativen Schwere benannten. So bedeutet as nur ein Ganzes aus 12 Teilen, das ebensogut auf die Erbschaft wie auf die Maße oder Gewichte beziehbar ist und ebenso für das Pfund wie für jeden beliebigen Teil desselben gesetzt werden kann. Und daß hier bloß die Relativität des Maßes bewußt und wirksam ist, wird auch durch die Hypothese nicht alteriert, nach der das as vor Urzeiten eine Kupferstange von absolut bestimmtem Gewicht bedeutet habe.

 


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