Die Marienprozession


Gent

 

Aus allen Türmen stürzt sich, Fluß um Fluß,

hinwallendes Metall in solchen Massen

als sollte drunten in der Form der Gassen

ein blanker Tag erstehn aus Bronzeguß,

 

an dessen Rand, gehämmert und erhaben,

zu sehen ist der buntgebundne Zug

der leichten Mädchen und der neuen Knaben,

und wie er Wellen schlug und trieb und trug,

hinabgehalten von dem ungewissen

Gewicht der Fahnen und von Hindernissen

gehemmt, unsichtbar wie die Hand des Herrn;

und drüben plötzlich beinah mitgerissen

vom Aufstieg aufgescheuchter Räucherbecken,

die fliegend, alle sieben, wie im Schrecken

an ihren Silberketten zerrn.

 

Die Böschung Schauender umschließt die Schiene,

in der das alles stockt und rauscht und rollt:

das Kommende, das Chryselephantine,

aus dem sich zu Balkonen Baldachine a

ufbäumen, schwankend im Behang von Gold.

 

Und sie erkennen über all dem Weißen,

getragen und im spanischen Gewand,

das alte Standbild mit dem kleinen heißen

Gesichte und dem Kinde auf der Hand

und knieen hin, je mehr es naht und naht,

in seiner Krone ahnungslos veraltend

und immer noch das Segnen hölzern haltend

aus dem sich groß gebärdenden Brokat.

 

Da aber wie es an den Hingeknieten

vorüberkommt, die scheu von unten schaun,

da scheint es seinen Trägern zu gebieten

mit einem Hochziehn seiner Augenbraun,

hochmütig, ungehalten und bestimmt:

so daß sie staunen, stehn und überlegen

und schließlich zögernd gehn. Sie aber nimmt,

in sich die Schritte dieses ganzen Stromes

und geht, allein, wie auf erkannten Wegen dem

Glockendonnern des großoffnen Domes

auf hundert Schultern frauenhaft entgegen.

 


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Seite zuletzt aktualisiert: 09.06.2005 
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