Die Kathedrale


In jenen kleinen Städten, wo herum

die alten Häuser wie ein Jahrmarkt hocken,

der sie bemerkt hat plötzlich und, erschrocken,

die Buden zumacht und, ganz zu und stumm,

 

die Schreier still, die Trommeln angehalten,

zu ihr hinaufhorcht aufgeregten Ohrs -:

dieweil sie ruhig immer in dem alten

Faltenmantel ihrer Contreforts

dasteht und von den Häusern gar nicht weiß:

 

in jenen kleinen Städten kannst du sehn,

wie sehr entwachsen ihrem Umgangskreis

die Kathedralen waren. Ihr Erstehn

ging über alles fort, so wie den Blick

des eignen Lebens viel zu große Nähe

fortwährend übersteigt, und als geschähe

nichts anderes; als wäre Das Geschick,

was sich in ihnen aufhäuft ohne Maßen,

versteinert und zum Dauernden bestimmt,

nicht Das, was unten in den dunkeln Straßen

vom Zufall irgendwelche Namen nimmt

und darin geht, wie Kinder Grün und Rot

und was der Krämer hat als Schürze tragen.

Da war Geburt in diesen Unterlagen,

und Kraft und Andrang war in diesem Ragen

und Liebe überall wie Wein und Brot,

und die Portale voller Liebesklagen.

Das Leben zögerte im Stundenschlagen,

und in den Türmen, welche voll Entsagen

auf einmal nicht mehr stiegen, war der Tod.

 


 © textlog.de 2004 • 17.10.2017 08:07:07 •
Seite zuletzt aktualisiert: 09.06.2005 
Abuse Trap
  Home  Impressum  Copyright