1. Einleitendes und Einteilung


Die Lehrbücher der alten Metaphysik, wie sie auch Kant noch der Vorschrift der Zeit gemäß seinen Vorlesungen zugrunde legte, zählten vier Teile derselben auf: eine rationale Ontologie, Psychologie, Kosmologie und Theologie (vgl. § 28, 2). Die Ontologie als dogmatische Wissenschaft vom Seienden wird durch das ganze Werk Kants zunichte gemacht; gegen die Psychologie, Kosmologie und Theologie, soweit sie dogmatisch zu sein beanspruchen, richtet sich die transzendentale Dialektik. Sie will den transzendentalen oder dialektischen Schein zerstreuen, welcher der menschlichen Vernunft als eine »natürliche und unvermeidliche Illusion« anhaftet: als ob Seele, Welt und höchstes Wesen erkennbare und bestimmbare Dinge (Substanzen) und nicht vielmehr »subjektive Bedingungen unseres Denkens« wären. Diese die Erfahrung übersteigenden (transzendenten) Behauptungen, die sich als konstitutive Grundsätze gebärden, sollen auf ihren wahren Wert als Ideen, d. i. regulative Prinzipien zurückgeführt werden.

Wie wir (S. 210 f.) sahen, entsprach das Aufsuchen der Ideen dem syllogistischen Verfahren der formalen Logik. So entsprechen denn auch die einzelnen transzendentalen Ideen den drei Arten des Vernunftschlusses: 1. dem kategorischen die Idee einer absoluten Einheit des denkenden Subjekts (Seele), 2. dem hypothetischen die einer absoluten Einheit der Reihe der Bedingungen (Welt), 3. dem disjunktiven die Idee eines Inbegriffs alles Möglichen oder einer absoluten Einheit aller Gegenstände des Denkens überhaupt (Gott). Der täuschende Schein einer Seelensubstanz wird in dem Kapitel von den Paralogismen (Fehlschlüssen) der reinen Vernunft zerstreut; der Widerstreit in bezug auf den Weltbegriff in der Antithetik, der Lehre von den Antinomien der reinen Vernunft, entwickelt und gelöst; die Unmöglichkeit aller Beweise vom Dasein Gottes vermittelst spekulativer Vernunft endlich in der Lehre vom »Ideal der reinen Vernunft« dargetan.


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