1. Einleitung: Der Schematismus der Kategorien.


1. Übergang. Das Mannigfaltige der sinnlichen Anschauung steht unter der Einheit der Kategorien als seiner notwendigen Bedingung. Anderseits aber kommt den letzteren, ohne Anwendung auf die Anschauung, keine objektive Gültigkeit zu. Ohne das sind sie »bloße Gedankenformen«, leere Titel zu Begriffen ohne Inhalt, ohne Sinn und Bedeutung. Das Denken aber soll doch zum Erkennen werden. Sie bedürfen also zu ihrer Realisierung durchaus der Anwendung auf sinnliche Anschauung, auf Gegenstände der Sinne. Die Kategorien der Quantität z.B. haben den Raum, die der Ursache hat die Zeit zur unumgänglichen Voraussetzung. Um eine Linie zu erkennen, muß ich sie ziehen. Ihre endgültige Rechtfertigung und Bewährung erhalten die Kategorien oder Grundbegriffe daher erst durch die Grundsätze, d.h. »diejenigen synthetischen Urteile, welche aus reinen Verstandesbegriffen a priori herfließen und allen übrigen Erkenntnissen a priori zugrunde liegen« Die Vermittlung zwischen beiden geschieht durch den

2. Schematismus der reinen Verstandesbegriffe. »Transzendentales Schema« nennt Kant die »formale und reine Bedingung der Sinnlichkeit«, unter der die Kategorie allein auf irgendeinen Gegenstand angewandt werden kann. Das Schema muß daher einerseits der Kategorie gleichartig, folglich »intellektuell«, anderseits aber auch der Erscheinung gleichartig, also sinnlich sein, weshalb es auch durch die Einbildungskraft hervorgebracht wird, wie z.B. der allgemeine Begriff einer mathematischen Figur, einer Zahl, eines Hundes. Es bedeutet im Grunde eigentlich nichts anderes als den einfachen Satz; das Erkennen muß anschaulich sein, wenn es über das bloße Denken hinauskommen will. Die Kategorien waren nur »Begriffe von Gegenständen überhaupt«, während wir doch Gegenstände im besonderen, bestimmte Erfahrungs»dinge« erkennen wollen. Die beiden uns jetzt bekannten Arten von Formen - die der Sinnlichkeit (Raum und Zeit) und die des Verstandes (die Kategorien) - sind miteinander zu verbinden, wenn Erkenntnis erzeugt werden soll. So bezeichnet das Schema, als echt »transzendentale« Bedingung, den Weg, auf dem die Form ihren Inhalt, die Erkenntnis Gestalt gewinnt.

3. Die einzelnen Schemata. Das allgemeine Schema, durch welches allgemeine Begriffe sich in unserem Bewußtsein mit dem reinen Gewebe unseres inneren Anschauens verbinden, das reine Schema aller Sinnesempfindungen ist die Zeit, die das »reine Bild aller Größen für den äußeren Sinn«, den Raum, einbegreift. Die einzelnen Schemata sind die folgenden: a) das der Quantität oder Größe (der Addition von Gleichartigem) ist die Zahl; b) das der qualitativen Kategorien (Realität im Verhältnis zu Limitation und Negation) ist die »kontinuierliche und gleichförmige Erzeugung der Quantität von etwas in der Zeit« (die Empfindung mit ihren Graden); c) das der Substanz: die Beharrlichkeit des Realen; das der Kausalität: die Sukzession des Mannigfaltigen nach einer Regel; das der Gemeinschaft oder Wechselwirkung: das Zugleichsein der Bestimmungen der einen Substanz mit denen der anderen; d) das Schema der Möglichkeit: Bestimmung der Vorstellung zu irgendeiner Zeit; der Wirklichkeit: das Dasein in einer bestimmten Zeit; endlich die Notwendigkeit: das Dasein zu aller Zeit.

Im Grunde also sind die Schemata nichts als apriorische Zeitbestimmungen, die nacheinander auf die Reihen, den Inhalt, die Ordnung und den Inbegriff der Zeit gehen. Sie verwirklichen die Kategorien bezw. deren Form, den Verstand, indem sie sie zugleich auf die sinnlichen Bedingungen der Erfahrung einschränken (restringieren). Nur durch ihre Vermittlung können aus den Begriffen die Grundsätze des reinen Verstandes entstehen.


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