III.3. Beispiele vom physiologischen Bau einiger Tiere

 

Der Elefant17), so unförmlich er scheint, gibt physiologische Gründe gnug von seinem dem Menschen so ähnlichen Vorzuge vor allen lebenden Tieren. Zwar ist sein Gehirn, der Größe des Tiers nach, nicht übermäßig; die Höhlen desselben aber und sein ganzer Bau ist dem menschlichen sehr ähnlich. »Ich war erstaunt«, sagt Camper, »eine solche Ähnlichkeit zwischen der glandula pinealis, den nates und testes dieses Tiers mit denen in unserm Gehirn zu finden; wenn irgendwo ein sensorium commune statthaben kann, so muß es hier gesucht werden.« Die Hirnschale ist im Verhältnis des Kopfs klein, weil die Nasenhöhle weit oberhalb dem Gehirn läuft und nicht nur die Stirn-, sondern auch andere Höhlen18) mit Luft anfüllt; denn um die schweren Kinnladen zu bewegen, wurden starke Muskeln und große Oberflächen erfodert, die die bildende Mutter also, um dem Geschöpf eine untragbare Schwere zu ersparen, mit Luft anfüllte. Das große Gehirn liegt nicht oberhalb dem kleinen und drückt dasselbe nicht durch seine Schwere; die trennende Membrane steht senkrecht. Die zahlreichen Nerven des Tiers wenden sich großenteils zu den feinern Sinnen, und der Rüssel allein empfängt derselben soviel als sein ganzer ungeheurer Körper. Die Muskeln, die ihn bewegen, entspringen an der Stirn; er ist ganz ohne Knorpel, das Werkzeug eines zarten Gefühls, eines feinen Geruchs und der leichtesten Bewegung. In ihm also vereinigen sich mehrere Sinne und berichtigen einander. Das geistvolle Auge des Elefanten (das auch am untern Augenlide, dem Menschen und sonst keinem Tier gleich, Haare und eine zarte Muskelbewegung hat) hat also die feinern fühlenden Sinne zu Nachbarn, und diese sind vom Geschmack, der sonst das Tier hinreißt, gesondert. Was bei andern, zumal fleischfressenden Tieren der herrschende Teil des Gesichts zu sein pflegt, der Mund, ist hier unter die hervorragende Stirn, unter den erhöhten Rüssel tief herunter gesetzt und beinah verborgen. Noch kleiner ist seine Zunge; die Waffen der Verteidigung, die er im Munde trägt, sind von den Werkzeugen der Nahrung unterschieden: zur wilden Freßgier ist er also nicht gebildet. Sein Magen ist einfach und klein, so groß die Eingeweide sein mußten; ihn kann also wahrscheinlich nicht, wie das Raubtier, der wütende Hunger quälen. Friedlich und reinlich liest er die Kräuter, und weil Geruch und Mund voneinander getrennt sind, braucht er dazu mehr Behutsamkeit und Zeit. Zu eben der Behutsamkeit hat ihn die Natur im Trinken und in seinem ganzen schweren Körperbau gebildet, so daß diese ihn eben aus dem Grunde bis zur Begattung begleitet. Kein Trieb des Geschlechts verwildert ihn; denn die Elefantin trägt neun Monate, wie der Mensch, und säuget ihr Junges an Vorderbrüsten. Dem Menschen gleich sind die Verhältnisse seiner Lebensalter, zu wachsen, zu blühn, zu sterben. Wie edel hat die Natur die tierischen Schneidezähne in Hauzähne verwandelt, und wie fein muß das Organ seines Gehörs sein, da er die menschliche Rede in feinen Unterscheidungen des Befehls und der Affekten versteht. Seine Ohren sind größer als bei einem andern Tier, dabei dünne und nach allen Seiten gebreitet; ihre Öffnung liegt hoch, und der ganze, dennoch kleine Hinterkopf des Tiers ist eine Höhle des Widerhalls, mit Luft erfüllt. So wußte die Natur die Schwere des Geschöpfs zu erleichtern und die stärkste Muskelkraft mit der feinsten Ökonomie der Nerven zu paaren. Ein König der Tiere an weiser Ruhe und verständiger Sinnesreinheit.

 


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