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I. [Ein Eigenwert des Geldes für seine Funktion, Werte zu messen, scheinbar erforderlich]


[Ein Eigenwert des Geldes für seine Funktion, Werte zu messen, scheinbar erforderlich. Widerlegung durch Verwandlung der unmittelbaren Äquivalenz zwischen der einzelnen Ware und der einzelnen Geldsumme in die Gleichheit zweier Proportionen: zwischen jener und dem momentan wirksamen Gesamtwarenquantum einerseits, und dieser und dem momentan wirksamen Gesamtgeldquantum andrerseits. Unbewußtheit der Nenner dieser Brüche. Logische Möglichkeit einer von allem Substanzwert unabhängigen Geldfunktion. Ursprüngliche Erfordertheit wertvollen Geldes. Entwicklung der Äquivalenzvorstellungen über dieses Stadium hinaus und auf den reinen Symbolcharakter des Geldes zu.]

 

Die Diskussion über das Wesen des Geldes wird allenthalben von der Frage durchzogen: ob das Geld, um seine Dienste des Messens, Tauschens, Darstellens von Werten zu leisten, selbst ein Wert sei und sein müsse, oder ob es für diese genüge, wenn es, ohne eigenen Substanzwert, ein bloßes Zeichen und Symbol wäre, wie eine Rechenmarke, die Werte vertritt, ohne ihnen wesensgleich zu sein. Die ganze sachliche und historische Erörterung dieser, in die letzten Tiefen der Geld- und Wertlehre hinunterreichenden Frage würde sich erübrigen, wenn ein oft hervorgehobener logischer Grund sie von vornherein entschiede. Ein Meßmittel, so sagt man, muß von derselben Art sein, wie der Gegenstand, den es mißt: ein Maß für Längen muß lang sein, ein Maß für Gewichte muß schwer sein, ein Maß für Rauminhalte muß räumlich ausgedehnt sein. Ein Maß für Werte muß deshalb wertvoll sein. So beziehungslos zwei Dinge, die ich aneinander messe, auch in allen ihren sonstigen Bestimmungen sein mögen - in Hinsicht derjenigen Qualität, in der ich sie vergleiche, müssen sie übereinstimmen. Alle quantitative und zahlenmäßige Gleichheit oder Ungleichheit, die ich zwischen zwei Objekten aussage, wäre sinnlos, wenn sie nicht die relativen Quantitäten einer und derselben Qualität beträfe. Ja, diese Übereinstimmung in der Qualität darf nicht einmal eine allzu allgemeine sein; man kann z.B. die Schönheit einer Architektur nicht der Schönheit eines Menschen gleich oder ungleich groß setzen, obgleich in beiden doch die einheitliche Qualität »Schönheit« ist, sondern nur die speziellen architektonischen oder die speziellen menschlichen Schönheiten ergeben je untereinander die Möglichkeit eines Vergleichs. Wenn man aber doch eine Vergleichbarkeit, bei völligem Mangel jeder gemeinsamen Eigenschaft, in der Reaktion erblicken wollte, die das empfindende Subjekt an die Gegenstände knüpft; wenn die Schönheit des Gebäudesund die Schönheit des Menschen vergleichbar sein sollen nach dem Maß von Beglückung, das wir bei der Betrachtung des einen und der des anderen empfinden: so würde auch hier, unter abweichendem Scheine, eine Gleichheit von Qualitäten ausgesprochen sein. Denn die Gleichheit der Wirkung, an demselben Subjekt hervortretend, bedeutet unmittelbar die Gleichheit der Objekte in der hier fraglichen Beziehung. Zwei völlig verschiedene Erscheinungen, die demselben Subjekt die gleiche Freude bereiten, haben unter aller ihrer Verschiedenheit eine Gleichheit der Kraft oder des Verhältnisses zu jenem Subjekt, wie ein Windstoß und eine menschliche Hand, wenn sie beide einen Baumzweig brechen, unter aller Unvergleichbarkeit ihrer Qualitäten, dennoch eine Gleichheit der Energie beweisen. So mag der Geldstoff und alles, dessen Wert man mit ihm mißt, einander ganz unähnlich sein, aber in dem Punkte, daß beide Wert haben, müssen sie übereinstimmen; und selbst wenn der Wert überhaupt nichts anderes ist, als ein subjektives Fühlen, mit dem wir auf die Eindrücke der Dinge antworten, so muß wenigstens diejenige - wenngleich nicht isolierbare - Qualität, durch welche sie überhaupt sozusagen auf den Wertsinn der Menschen wirken, bei beiden dieselbe sein. So soll wegen der Tatsache, daß es mit Werten verglichen wird, d.h. in eine quantitative Gleichung mit ihnen eintritt, das Geld die Wertqualität nicht entbehren können.


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